 dieses Bedauern wieder artig
und verdienstlich, ich kehrte nochmals um, bis ich endlich auf den vernünftigen
Gedanken kam möge dem sein, wie ihm wolle, der arme Teufel müsse jedenfalls zu
seiner Sache kommen, das sei die erste Frage! Manchmal kommt dieser Gedanke aber
zu spät, und die Gabe bleibt in meiner Tasche, wo sie mir alsdann unerträglich
ist. Daher freue ich mich immer wie ein Kind, wenn es mir passiert, dass ich
unbedacht meine Pflicht erfüllt habe und es mir erst nachträglich einfällt, dass
das etwas Verdienstliches sein dürfte; ich pflege dann höchst vergnügt ein
Schnippchen gegen den Himmel zu schlagen und zu rufen »Siehst du, alter Papa!
nun bin ich dir doch durchgewischt!« Das höchste Vergnügen erreiche ich aber,
wenn ich mir in solchen Augenblicken denke, wie ich Ihm nun sehr komisch
vorkommen müsse; denn da der liebe Gott alles versteht, so muss er auch Spaß
verstehen, obgleich man auch wieder mit Recht sagen kann, der liebe Gott
verstehe keinen Spaß!
    Das Heiterste und Schönste war mir die Lehre vom Geiste, als welcher ewig
ist und alles durchdringt. Er war mächtig im Christentume, dessen Beweglichkeit
und Feinheit die Welt fortbaute, solange es geistig war; als es aber geistlich
wurde, war diese Geistlichkeit die Schlangenhaut, welche der alte Geist abwarf.
Denn Gott ist nicht geistlich, sondern ein weltlicher Geist, weil er die Welt
ist und die Welt in ihm; Gott strahlt von Weltlichkeit.
    Alles in allem genommen, glaube ich doch, dass ich unter Menschen, welche
rein in dem ursprünglichen geistigen Christentum lebten, glücklich sein und auch
nicht ganz ohne deren Achtung leben würde, und wenn ich dies Annas Vater, dem
Schulmeister, eingestehen musste, forderte er, das Wunderbare und die
Glaubensfragen einstweilen freisinnig beiseite setzend, mich auf, das
Christentum wenigstens dieser geistigen Bedeutung nach anzuerkennen und darauf
zu hoffen, dass es in seiner wahren Reinheit erst noch erscheinen und seinen
Namen behaupten werde; etwas Besseres sei einmal nicht da noch abzusehen.
Hierauf erwiderte ich aber der Geist könne wohl durch einen Menschen leidlich
schön ausgesprochen, niemals aber erfunden werden, da er von jeher und unendlich
sei; daher die Bezeichnung der Wahrheit mit einem Menschennamen ein Raub am
unendlichen Gemeingute sei, aus welchem der fortgesetzte Raub des Autoritäts-
und Pfaffenwesens aller Art entspringe. In einer Republik, sagte ich, fordere
man das Größte und Beste von jedem Bürger, ohne ihm durch den Untergang der
Republik zu vergelten, indem man seinen Namen an die Spitze pflanze und ihn zum
Fürsten erhebe; ebenso betrachte ich die Welt der Geister als eine Republik, die
nur Gott als Protektor über sich habe, dessen Majestät in vollkommener Freiheit
das Gesetz heilighielte, das er
