 ich einer Vorsehung im Leben
noch sehr benötigt sein würde, band mich ein künstlerisches Bewusstsein an diese
Überzeugung. Ich fühlte, dass alles, was Menschen zuwege bringen, seine Bedeutung
nur dadurch hat, dass sie es zuwege bringen konnten und dass es ein Werk der
Vernunft und des freien Willens ist; deshalb konnte mir die Natur, an die ich
gewiesen war, auch nur einen Wert haben, wenn ich sie als das Werk eines mir
gleich fühlenden und voraussehenden Geistes betrachten konnte. Ein
sonnedurchschossener Buchengrund konnte nur dann ein Gegenstand der Bewunderung
sein, wenn ich ihn mir durch ein ähnliches Gefühl der Freude und der Schönheit
geschaffen dachte. »Sehen Sie diese Blume«, sagte ich zum Philosophen, »es ist
gar nicht möglich, dass diese Symmetrie mit diesen abgezählten Punkten und
Zacken, diese weiß und roten Streifchen, dies goldene Krönchen in der Mitte
nicht vorhergedacht seien! Und wie schön und lieblich ist sie, ein Gedicht, ein
Kunstwerk, ein Witz, ein bunter und duftender Scherz! So was macht sich nicht
selbst!« - »Auf jeden Fall ist sie schön«, sagte der Philosoph, »sei sie gemacht
oder nicht gemacht! Fragen Sie einmal! Sie sagt nichts, sie hat auch nicht Zeit
dazu, denn sie muss blühen und kann sich nicht um Ihre Zweifel kümmern! Denn das
sind alles Zweifel, was Sie vorbringen, Zweifel an Gott und schnöde Zweifel an
der Natur, und es wird mir übel, wenn ich nur einen Zweifler höre, einen
empfindsamen Zweifler! O weh!« Er hatte diesen Trumpf beim Disputieren älterer
Leute gehört und brachte denselben wie ähnliche Gewandteiten, die er sich
angeeignet, gegen mich vor, so dass ich zuletzt immer geschlagen wurde; besonders
sagte er zuletzt immer, ich verstehe eben die Sache noch nicht und wüsste nicht
richtig zu denken, was mich dann gewaltig erboste, und wir gerieten manchmal in
grimmigen Zank. Doch vereinigten wir uns immer wieder, wenn wir mit den Mädchen
zusammentrafen, wo wir einen gemeinsamen Kampf zu bestehen hatten, von allen
Seiten angegriffen. Wir schlugen unsere Feinde eine Zeitlang mit unseren
Sarkasmen siegreich zurück, wenn sie aber nicht mehr weiterkonnten und zu sehr
gereizt waren, so ging der Krieg in Tätlichkeiten über; eine einzelne begann
damit, einem von uns unversehens ein Glas Wasser über den Kopf zu gießen, und
alsobald war ein hitziges Jagen und Verfolgen durch Haus und Gärten im Gange.
Andere Bursche machten sich schnell herbei, denn fünf bis sechs zornige Mädchen
waren eine zu reizende Gelegenheit für sie. Man warf sich mit Früchten, schlug
sich mit ausgerissenen Nesselstauden, suchte sich gegenseitig ins Wasser zu
drängen, wobei man ins allerengste Handgemenge kam, und ich war sehr verwundert,
die
