 brachte die Leute in Harnisch, um in dem entstandenen Lärm dann einen kalten
Gleichmut zu behaupten und sich nichts anfechten zu lassen; insbesondere aber
erklärte er sich als einen Verächter der Frauen und führte einen beständigen
Krieg mit ihnen, welche mit ihren sinnlichen Reizen und ihrem eitlen Wesen die
Männer ihrer Tugend und Ernsthaftigkeit berauben wollten. Als Cyniker verfolgte
er die Frauen und Mädchen überall mit Natürlichkeiten, als Epikureer mit
erotischen Witzen, und als Stoiker sagte er ihnen Grobheiten, war aber immer zu
finden, wo drei beieinanderstanden. Sie wehrten sich mit geräuschvollem
Entsetzen gegen ihn, so dass überall, wo er erschien, ein lustiger Spektakel
losging; nichtsdestominder sah man ihn überall gern, die Männer achteten nicht
auf ihn, und die Kinder hingen mit großer Liebe an ihm; denn mit diesen war er
auf einmal wie ein Lamm und stand in dem reinsten und schönsten Verhältnisse zu
ihnen. Er hatte die Allerkleinsten zu besorgen, und er tat dies so vortrefflich,
dass man noch nie einen so wohlgearteten und sittigen Schlag kleiner Jüngelchens
und Dirnchens im Dorfe gesehen hatte. Deshalb übersah man seine übrigen
Geschichten, die er anrichtete und die man seiner tollen Jugend zuschrieb, und
selbst dass er sich für einen Ateisten ausgab, konnte ihn der Gunst des
weiblichen Dorfes nicht berauben.
    Er fand sich auch im Hause meines Oheims ein, wo eine gute Anzahl Mädchen
und junger Bursche, die durch vielfältigen Besuch noch verstärkt wurde, für
seine Aufführungen empfänglich war. Ich gesellte mich dem Philosophen bei,
einesteils von seinem Philosophieren angezogen, andernteils von seinem
Weiberkriege, da dieser gerade mit meiner schiefen Lage zu den Mädchen
zusammentraf. Wir machten große Spaziergänge, auf welchen er mir die Systeme der
Reihe nach vortrug, wie er sie im Kopfe hatte und wie ich sie verstehen konnte.
Es kam mir alles äußerst wichtig und erbaulich vor, und ich ehrte bald, gleich
ihm, jede Lehre und jeden Denker, gleichviel ob wir sie billigten oder nicht.
Über den christlichen Glauben waren wir bald einig und machten in die Wette
unsern Krieg gegen Pfaffen und Autoritätsleute jeder Art; als ich aber den
lieben Gott und die Unsterblichkeit aufgeben sollte und der Philosoph dieses mit
höchst unbefangenen Auseinandersetzungen verlangte, da lachte ich ebenso
unbefangen, und es kam mir nicht einmal in den Sinn, die Sache ernstlich zu
untersuchen. Ich sagte, am Ende wäre die Hauptformel einer jeden Philosophie,
und sei diese noch so logisch, eine ebenso große und greuliche Mystik wie die
Lehre von der Dreieinigkeit, und ich wollte von gar nichts wissen als von meiner
persönlichen angeborenen Überzeugung, ohne mir von irgendeinem Sterblichen etwas
dazwischenreden zu lassen. Außerdem dass ich nicht gewusst hätte, was ich anfangen
sollte ohne Gott, und ich die Ahnung hatte, dass
