 auf heute herzusagen, allein er verstand sie immer im
wörtlichsten und sinnlichsten Sinn, wobei besonders seine Auffassung der
Gleichnisse und Bilder einen komischen Unfug hervorbrachte. Wenn er von Spinoza
sprach, so war ihm nicht etwa die Idee aller möglichen Stühle der Welt, als ein
Stück zweckmäßige gebrauchter Materie, der Modus, sondern der einzelne Stuhl, der
gerade vor ihm stand, war ihm der fertige und vollständige Modus, in welchem die
göttliche Substanz in wirklichster Gegenwart steckte, und der Stuhl wurde
dadurch geheiligt. Bei Leibniz fiel ihm nicht etwa die Welt in einem greulichen
Monadenstaub auseinander, sondern die Kaffeekanne auf dem Tisch, mit welcher er
gerade exemplierte, drohte auseinanderzugehen und der Kaffee, welcher im
Gleichnis nicht mitbegriffen, auf den Tisch zu fließen, so dass der Philosoph
sich beeilen musste, durch die prästabilierte Harmonie die Kanne
zusammenzuhalten, wenn wir den erquickenden Trank genießen wollten. Bei Kant
hörte man das göttliche Postulat so leibhaftig und zierlich erklingen wie ein
Postörnchen, aus der tiefen Ferne der innersten Brust; bei Fichte verschwand
wieder alle Wirklichkeit gleich den Trauben in Auerbachs Keller, nur dass wir
nicht einmal an unsere Nasen glauben durften, welche wir in den Händen hielten;
wenn Feuerbach sagte Gott ist nichts anderes, als was der Mensch aus seinem
eigenen Wesen und nach seinen Bedürfnissen abgezogen und zu Gott gemacht hat,
folglich ist niemand als der Mensch dieser Gott selbst, so versetzte sich der
Philosoph sogleich in einen mystischen Nimbus und betrachtete sich selbst mit
anbetender Verehrung, so dass bei ihm, indem er die religiöse Bedeutung des
Wortes immer beibehielt, zu einer komischen Blasphemie wurde, was im Buche die
strengste Entsagung und Selbstbeschränkung war. Am drolligsten nahm er sich
jedoch aus in seiner Anwendung der alten Schulen, deren Lebensregeln er in
seinem äußern Behaben vereinigte. Als Cyniker schnitt er alle überflüssigen
Knöpfe von seinem Rocke, warf die Schuhriemen weg und riss das Band von seinem
Hute, trug einen derben Prügel in der Hand, welcher zu seinem zarten Gesichtchen
seltsam kontrastierte, und legte sein Bett auf den bloßen Boden; bald trug er
sein schönes Goldhaar in langen, tausendfach geringelten Locken, weil die Schere
überflüssig sei, bald schnitt er es so dicht am Kopfe weg, dass man mit dem
feinsten Zängelchen kaum ein Härchen hätte fassen können, indem er die Locken
als schnöden Luxus erklärte, und er sah dann mit seinem geschorenen
Rosenköpfchen noch viel lustiger aus. Im Essen war er hinwieder Epikureer, und
die gewöhnliche Dorfkost verschmähend, schmorte er sich ein saures Eichhörnchen,
briet ein Fischchen oder eine Wachtel, die er gefangen hatte, und aß ausgesuchte
kleine Böhnchen, junge Kräutchen und dergleichen, wozu er ein halbes Gläschen
alten Wein trank. Als Stoiker hingegen richtete er allerhand spasshafte Händel an
und
