 der Meister nahm hieran
Gelegenheit, seine Genauigkeit und Strenge zu üben, die Schwierigkeit der Kunst
zu entwickeln und mich behaglich fühlen zu lassen, dass es doch nicht so rasch
ginge, als ich wohl geglaubt hätte.
    Doch fand ich mich wohl und geborgen an meinem Tische (die Abwesenheit von
Staffeleien, die ich mir als besondere Zierde einer Werkstatt gedacht, empfand
ich freilich) und arbeitete mich tapfer durch diese kleinlichen Anfänge
hindurch. Ich kopierte getreulich die ländlichen Schweinställe, Holzschuppen und
derlei Dinge, aus welchen, in Verbindungen mit allerlei magerm Strauchwerk,
meine Vorbilder bestanden und die mir um so mühseliger wurden, je verächtlicher
sie meinen Augen erschienen. Denn mit dem Eintritte in den Saal des Meisters
hatte sich mit der Pflicht und dem Gehorsame zugleich der Schein der
Nüchternheit und Leerheit über diese Dinge ergossen für meinen ungebundenen und
willkürlichen Geist. Auch kam es mir fremd vor, den ganzen Tag, an meinen Platz
gebunden, über meinem Papiere zu sitzen, zumal man nicht im Zimmer umhergehen
und unaufgefordert nicht sprechen durfte. Nur der Kupferstecher und der
Litograph führten einen bescheidenen Verkehr mit sich und den betreffenden
Druckergesellen und richteten das Wort auch an den Meister, wenn es ihnen gut
dünkte, ein bisschen zu plaudern. Dieser aber, wenn er guter Laune war, erzählte
allerlei Geschichten und geläufige Kunstsagen, auch Schwänke aus seinem frühern
Leben und Züge von der Herrlichkeit der Maler. Sowie er aber bemerkte, dass einer
zu eifrig aufhorchte und die Arbeit darüber vergaß, brach er ab und beobachtete
eine geraume Zeit weise Zurückhaltung.
    Ich genoss das Vorrecht, meine Vorlagen selbst hervorzuholen, und verweilte
dabei immer längere Zeit, die vorhandenen Schätze durchzugehen. Sie bestanden
aus einer großen Menge zufällig zusammengeraffter Gegenstände, aus guten alten
Kupferstichen, einzelnen Fetzen und Blättern ohne Bedeutung, wie sie die Zeit
anhäuft, Zeichnungen von einer gewissen Routine, ohne Naturwahrheit, und einem
unendlichen übrigen Mischmasch. Was mich zunächst betraf, waren einige Hefte
französischer Landschaftsstudien, mit Eleganz und Bravour auf Stein gezeichnet,
welche mir für das eigentliche Studium in Aussicht gestellt waren.
Handzeichnungen nach der Natur, Blätter, die um ihrer selbst willen da waren und
denen man angesehen hätte, dass sie freie Luft und Sonne getrunken, fanden sich
nicht ein einziges Stück vor, denn der Meister hatte seine Kunst und seinen
Schlendrian innerhalb vier Wänden erworben und begab sich nur hinaus, um so
schnell als möglich eine gangbare Ansicht zu entwerfen, wobei alle seine Bäume
einen neutralen Typus erhielten und Erde, Weg und Steine mit den gleichen
Tuschen und Charakteren gebildet wurden, dass sie alle aus dem nämlichen Stoffe
zu bestehen schienen. Indessen zeigten diese Arbeiten alle ein fertiges Geschick
in betreff der Klarheit und Sauberkeit der Tinten; dieselben waren nicht wahr
und bestanden
