 als bei dem
frühern Geständnisse, weil er in seiner Abgeschiedenheit von allem Verkehre der
Kultur am wenigsten an dies Wort gedacht hatte. Doch besann er sich ebenfalls
schnell und sprach:
    »Ein Maler? Ei sieh, das ist seltsam! Doch lasset sehen! Es hat allerdings
eine Zeit gegeben, wo es Maler gegeben hat, welche von göttlichem Geiste erfüllt
waren, welche den dürstenden Völkern einen Trunk himmlischen Lebens reichten in
Ermangelung des lebendigen Wortes, das wir Jetzt haben. Allein so wie schon
dazumal diese Kunst nur zu bald ein eitler Flitterkram der hochmütigen Kirche
geworden, so scheint sie mir heutzutage vollends ohne innern Kern und ein bloßes
Gebaren der menschlichen Eitelkeit und Fratzenhaftigkeit zu sein. Ich habe zwar
durchaus keine Kenntnis von den Künsten, wie sie jetzo in der Welt hantiert
werden, kann mir aber desto weniger vorstellen, wie sich ein ernstaftiges und
geistiges Leben dabei führen lässt! Habt Ihr denn so große Lust und Geschick,
allerlei unnützes Bildwerk zu verfertigen oder wohl gar Menschengesichter für
Bezahlung abzubilden?«
    »Zuvörderst will ich ein Landschaftsmaler werden«, erwiderte ich, »und habe
dazu allerdings große Lust und hoffe, der liebe Gott werde mir auch das Geschick
geben!«
    »Ein Landschaftsmaler? das heißt, merkwürdige Städte, Gebirge und
Weltgegenden abbilden? Hm! Dieses scheint mir nicht so übel zu sein, da lernt
man wenigstens die Welt kennen und kommt weit umher; Länder, Meere und
allenfalls auch die Menschen dazu; aber dazu gehört besonderer Mut und eigenes
Glück, wie mich dünkt, und vor allem soll, meines Erachtens, ein junger Mensch
darauf denken, wie er im Lande bleiben und sich redlich nähren, auch seinen
Mitbürgern sich nützlich und seinen Eltern dienstbar erweisen kann!«
    »Die Landschaftsmalerei, die ich im Sinne habe, ist nicht sowohl, was Ihr
hiemit darunter versteht, Herr Vetter! als etwas ganz anderes!«
    »Nun, und das wäre?«
    »Sie besteht nicht darin, dass man merkwürdige und berühmte Orte aufsucht und
nachmacht, sondern darin, dass man die stille Herrlichkeit und Schönheit der
Natur betrachtet und abzubilden sucht, manchmal eine ganze Aussicht, wie diesen
See mit den Wäldern und Bergen, manchmal einen einzigen Baum, ja nur ein
Stücklein Wasser und Himmel.«
    Da der Vetter hierauf nichts entgegnete, sondern auf eine Fortsetzung zu
warten schien, fuhr ich auch fort und geriet nun meinerseits in eine
Begeisterung und Beredsamkeit, die ich früher nicht gekannt hatte. Der zwischen
Sonnenglanz und Waldesschatten schwebende See ruhte majestätisch vor den klaren
Fenstern, von fernem Bergrücken schienen einige schlanke Eichen, die in die
himmelhohe Sonntagsluft stiegen, mir zuzuwinken, fern, leise, aber eindringlich;
ich blickte unverwandt nach ihnen wie auf eine höhere
