 nur in den
Städten findet; einige Häuser erschienen so herrisch, die Gärten davor so
wohlgepflegt, dass man in den Besitzern mit Recht reiche Dorfmagnaten vermutete.
Doch wenn auch der eine, gleich einem Deputierten der französischen Bourgeoisie,
im eleganten Schlafrock, die Zigarre im Munde, aus dem Fenster schaute, so stand
dafür der andere in bloßen weißen Hemdsärmeln auf der Hausflur, und seine
braunen Hände verkündeten, ungeachtet des städtischen Hauses, den rüstigen
Ackersmann, ja, vor einem seiner Fenster hing zum Durchlüften die Uniform eines
gemeinen Soldaten, während aus der Dachluke seines Knechtes diejenige eines
Unteroffiziers in der Frühlingsluft flaggte. Bei all dieser Stattlichkeit war
nun aber das Schulhaus doch das schönste Gebäude im Dorfe, welches in der ganzen
Gegend öfter der Fall war. Auf einem freien geebneten Platze ragte es mit hohen
blinkenden Fenstern empor und verriet heitere geräumige Säle; von seiner Front
schimmerte in kolossalen goldenen Buchstaben das Wort Schulhaus. Hier, auf dem
sonnigen Vorplatze und auf der breiten steinernen Treppe, welche fast
tempelartig den ganzen vorderen Sockel bekleidete, mochte der Ort sein, welchen
sonst die alten Dorflinden bezeichnen; denn eine Gruppe älterer und jüngerer
Männer unterhielt sich hier behaglich, sie schienen zu politisieren; aber ihre
Unterredung war um so ruhiger, bewusster und ernster, als sie vielleicht,
dieselbe betätigend, noch am gleichen Tage einer wichtigen öffentlichen
Pflichterfüllung beizuwohnen hatten. Die Physiognomien dieser Männer waren
durchaus nicht national über einen Leisten geschlagen, auch war da nichts
Pittoreskes, weder in Tracht noch in Haar- und Bartwuchs, zu bemerken; es
herrschte jene Verschiedenheit und Individualität, wie sie durch die
unbeschränkte persönliche Freiheit erzeugt wird, jene Freiheit, welche bei einer
unerschütterlichen Strenge der Gesetze jedem sein Schicksal lässt und ihn zum
Schmied seines eigenen Glückes macht. So erschienen hier die einen von rastloser
Arbeit gebräunt und getrocknet, zäh und hart, andere in Energie und Gewandtheit
aufblühend, andere wieder von Spekulation gefurcht. Alle aber waren äußerlich
ruhig, ungebeugt und sahen kundig und auch ziemlich prozesserfahren in die Welt.
    So übereinstimmend mit seinen rührigen Bewohnern nun das schöne Dorf
dastand, um so fremdartiger ragte die Kirche aus ihm hervor. Dem Stile oder
besser Nichtstile nach stammte sie aus dem achtzehnten Jahrhundert, ein ovales
nüchternes Gebäude mit kreisrunden Fenstern, förmlichen Löchern, war nicht alt
und nicht neu, weder der verbrauchte Baustoff noch die mageren geschmacklosen
Verzierungen, sowenig als der gedankenlose Turm, taten die mindeste Wirkung; man
ahnte schon von außen die langweiligen hölzernen Bankreihen und die kleinliche
Gipsbekleidung des Innern, den unförmlich bauchigen Taufstein, das lächerliche
braune Kanzelfass; ohne Begeisterung gebaut und keine erweckend, verkündete das
Gebäude den untröstlichen Schlendrian, mit welchem es gebraucht wurde. Es sah
aus wie ein unnützes sonderbares Möbel in einem Hause
