 oder einen jungen Menschen, die gerade nicht tobsüchtig sind, von seinem
Erziehungssysteme auszuschliessen, zugleich mit in den Kauf nehmen. Gemäss jenem
Vorgange wird man mir, wenn ich im späteren Leben in eine ähnliche ernstere
Verwicklung gerate, bei gleichen Verhältnissen und Richtern, wahrscheinlich den
Kopf abschlagen; denn ein Kind von der allgemeinen Erziehung ausschließen heißt
nichts anderes, als seine innere Entwicklung, sein geistiges Leben köpfen. Der
Staat hat nicht danach zu fragen, ob die Bedingungen zu einer weiteren
Privatausbildung vorhanden seien oder ob trotz seines Aufgebens das Leben den
Aufgegebenen doch nicht fallenlasse, sondern manchmal noch etwas Rechtes aus ihm
mache er hat sich nur an seine Pflicht zu erinnern, die Erziehung jedes seiner
Kinder zu überwachen und zu Ende zu führen. Auch ist am Ende diese Erscheinung
weniger wichtig in bezug auf das Schicksal solcher Ausgeschlossenen, als dass sie
den wunden Fleck auch der besten unserer Einrichtungen bezeichnet, die
moralische Faulheit nämlich, die Trägheit und Bequemlichkeit der mit diesen
Dingen Beauftragten, derer, welche sich als Erzieher par excellence geben. Das
Ausstossen auch des nichtsnutzigsten Schülers ist nichts als ein Armutszeugnis,
welches eine Schule sich gibt.
    Der Kummer und die Niedergeschlagenheit meinerseits waren nicht allzu groß;
ich hatte dem Lehrer des Französischen einige Bücher zurückzustellen, da er mir
mit Wohlwollen ehrwürdige Franzbände französischer Klassiker zu leihen pflegte
Auch führte er mich einige Male in einer großen Bibliothek umher, mir
respektvolle Vorbegriffe vom Bücherwesen beibringend. Als ich zu ihm kam,
drückte er mir sein Bedauern über das Geschehene aus und gab mir zu verstehen,
wie ich es nicht allzu hoch aufzunehmen hätte, da seines Wissens die Mehrzahl
der Lehrer, gleich ihm, nicht unzufrieden mit mir wären. Ferner lud er mich ein,
ihn zu besuchen und seinen Rat zu holen, wenn ich Lust hätte, das Französische
weiter zu betreiben. Ich sah ihn zwar nicht wieder im Wechsel der Zeit, aber
seine Worte gaben mir eine gewisse Genugtuung, dass ich mich nun frei fühlte wie
der Vogel in der Luft, zumal ich die Bedeutung des Augenblickes und die
Wichtigkeit der Zukunft nicht zu übersehen vermochte.
    Meine Mutter hingegen befand sich in großer Bedrängnis; sie konnte bestimmt
annehmen, dass der Vater meine Schulbildung jetzt noch nicht abgeschlossen haben
würde, wenn er noch lebte, und doch sah sie bei ihren beschränkten Mitteln keine
Möglichkeit, mir Privatlehrer zu halten oder mich auf eine auswärtige Schule zu
schicken, noch konnte sie sich den Beruf denken, welchen ich nun am besten
ergriffe, da gerade für eine einsichtvollere Selbstbestimmung der erweiterte
Gesichtskreis der nun verschlossenen höheren Klassen hätte Gelegenheit bieten
sollen. Meine häusliche Beschäftigung hatte in letzter Zeit beinahe
ausschließlich in Zeichnen und Malen bestanden, und auch in dieser Hinsicht
befand ich mich in einem sonderbaren Verhältnis zur Schule
