 klopfen. »Scheusal!« rief dieser
zurückweichend.
    Der Wagen, der Wandel nach dem Gefängnis schaffen sollte, war vorgerollt. An
der Tür wandte Fuchsius sich noch einmal um:
    »Herr von Wandel, es ist möglich, dass Sie Recht behalten, dass die Gerichte
mit ihren groben Werkzeugen nicht in alle verborgenen Winkel Ihrer Verbrechen
dringen, ich aber habe die volle moralische Überzeugung. Um deshalb werde ich
die Untersuchung vielleicht einem unbefangenern Richter abgeben. Hier aber, vor
Gott, vor der Ewigkeit, oder, wenn Sie wollen, vor der wesenlosen Leere, deren
Annahen Sie grauen machte, möchte ich in Ihre Seele schauen und eine Frage tun
-«
    »Deren Inhalt ich mir denken kann. Geben Sie sich nicht die fruchtlose Mühe.
Nur ein Wort. Nicht wahr, vor dieser Ihrer moralischen Überzeugung bin ich ein
grässlicher Verbrecher, weil - weil ich mit Menschenleben gespielt habe, das
nehmen Sie an, zu meinem Vorteil, der Wissbegier, des Vergnügens wegen, was es
sei. Nun blicken Sie um sich, links und rechts, in West und Ost, in Nord und
Süd, auf die großen Spieler. Die haben gespielt und spielen fort, mit tausenden,
mit hunderttausenden von Menschenleben, und ich kleiner bescheidener Bankhalter!
- Ja, die haben Motive, antworten Sie, Menschenliebe, Allgemeinwohl, Religion,
Freiheit und Gleichheit, Thron und Altar, Sitte und Nationalität - Herr, wer
sagt Ihnen, dass ich nicht auch Motive habe, Ideen, vor denen alle Rücksichten
schwinden müssen? Kann ich sie nicht auch überkleistern mit Goldschaum und
Tugendfloskeln? Das wahre Motiv, Herr, das ist überall dasselbe: der Grössere
frisst den Kleinern, wenn er Appetit hat und sein Magen es verträgt, und der
Unterschied ist nur der: die großen Verbrecher kommen in die Geschichtsbücher
und wir kleinen irgendwo in ein Kriminalregister. Wenn der Wurm auf uns Mahlzeit
hält, ist's uns Beiden gleichgültig, ein Stein ist mir vom Herzen gewälzt, ein
Quell sprudelte in der Wüste - ich habe nichts mit der verfluchten Politik zu
tun. Dieser Verstellung, dieser Heuchelei, für Andre denken, fühlen zu sollen,
bin ich quitt. Mögen sie sich todtschlagen, betrügen, verreden, glorificiren,
wie sie Lust haben, mich kümmert's nicht mehr. Von nun an bin ich wahr, ja, mein
Herr, ich fühle ganz die Seligkeit der Wahrheit, ich atme, kämpfe, lebe nur für
mich.«
    Die Gerichtsdiener waren eingetreten. »Haben Sie mir nichts mehr zu sagen?
Wir sehen uns wahrscheinlich zum letzten Mal.«
    »Das würde ich aufrichtig bedauern.« - »Nicht die Baronin Eitelbach, deren
-« »Deren Glück ich gemacht
