 danke Ihnen aufrichtig, Herr Regierungsrat, für die
Berücksichtigung, da ich weiß, dass ich nach der alten Observanz sehr wohl ein
halbes, auch Jahre in Ihrem freien Quartiere schmachten können, ohne mit einer
Sterbenssilbe zu erfahren, was mir die Ehre verschaffe.«
    »Guido Florestan Baron Vansitter, genannt von Wandel!« redete Fuchsius ihn
an. Er irrte, wenn er auf eine Bestürzung des Gefangenen gerechnet hatte. Nur
ein moquanter Zug schwebte, um die Lippen desselben, als er erwiderte: »Ich
bedaure die Mühe, die es Ihnen machen wird, meine Identität mit der meines
genannten Vetters herzustellen. Die meisten Zeugen sind gestorben; bis Sie die
überlebenden auftreiben und nach Berlin schaffen, darüber können Jahre vergehen.
Der Untersuchungsrichter hat ein saures Geschäft, mein Herr von Fuchsius, wenn
er Inquisiten vor sich hat, welche die Gesetze, die Menschen und ihre
Inquirenten kennen. Aus persönlicher Freundschaft und Respekt vor Ihrem
Charakter würde ich Ihnen raten, die Untersuchung abzugeben. Sie erscheint
Ihrem Ehrgeiz lockend, ich versichere Sie aber, ich ärgere Sie zu Tode.«
    »Aus Respekt vor Ihrer Bildung, und nur darum, habe ich zwei Worte mit Ihnen
allein zu reden.« - »Allen Respekt vor Ihrer Versicherung, aber ich glaube Ihnen
nicht, weil die Pflicht der Selbsterhaltung mir gebietet. Ihnen zu misstrauen.
Allein Ihnen, was Sie wünschen, aber vorher die Gewissheit, dass hinter der Tapete
kein Protokollführer lauert.« - Wandel schien sich diese Gewissheit verschafft zu
haben: »Was steht zu Ihren Diensten?« - »Führen Sie Gift bei sich? Ich meine
Mittel, die es Ihnen ermöglichen, sich der Schande und der weltlichen Strafe
Ihres Richters zu enziehen? Es ist meine Pflicht, mich davon zu vergewissern.«
    »Soll ich Ihnen mit Macbet antworten:
Weshalb sollt' ich den röm'schen Narren spielen.
Sterbend durchs eigne Schwert? So lange Leben
Noch vor mir sind, steh'n denen Wunden besser.
So lange ich atme, will ich von dieser süßen Gewohnheit des Daseins nicht
lassen. Besser Kerkerluft und schimmliche Brodrinde, als schwimmen ein Atom im
grauen Nebel der wesenlosen Leere. Nein, da beruhigen Sie sich, Sie sollen mich
als Epikuräer kennen lernen. Ich wollte Viel, ich lasse mich aber auch genügen
am Wenigen. Die Welt ist ein Kerker, warum sollte nicht der Kerker zur Welt
werden für Den, der noch Lust am Leben hat! Ich gebe Ihnen mein Wort, ich werde
mich verteidigen - besser als Ihr Staat gegen seinen Überwinder. Gewissermassen
soll jetzt mein Leben erst anfangen. Sie kennen mich doch einigermaßen, und
wissen, wie ich in die Schranken trat. Man meinte, ich war ein
