; »Sein Geist, gnädige Frau - O könnte ich Ihnen diesen
edlen Geist malen, der rein blieb wie der Äther über dem aufgewühlten Schlamm,
könnte ich Ihnen sein Herz öffnen, wie es mächtig pulst, für die Leiden, die
Ehre des Vaterlandes, wie nur die Schmach, die er ansehen musste, Gift in die
Adern spritzte -« »Lassen wir die Poesie, liebes Mädchen, es handelt sich von
ernsten Dingen. Ich will Ihnen glauben, dass ein besserer Keim in ihm ist, dass
große Talente in ihm schlummerten, dass Charakterstärke ihm von Gott gegeben war,
ich will zu Ihrem Besten Alles zu seinen Gunsten glauben, aber warum gab er sich
keiner geordneten Tätigkeit hin, warum zersplitterte er und vergeudete er diese
Gaben. Bei seiner Geburt, dem Einfluss seines Vaters wäre ihm ein Wirkungskreis
leicht geworden.«
    Adelheid sah die Königin mit einem eigentümlichen Blicke an, es lag Frage,
Bitte, ein Forschen darin. »Darf ich?« Sie hielt die Hände auf der Brust. Der
Augenschlag der Königin winkte Gewährung. »Ich kenne Jemand, den die Geburt hoch
gestellt, höher steht nur Einer. Sein Herz schlägt für das Vaterland, sein Blut
glüht für seine Ehre. Mit dem ritterlichen Feuermut der alten Zeit, schlägt
doch dies Herz weich für das Edle, Schöne, Große, das alle Zeiten schmückte. Er
möchte, er könnte ein Volk erheben, es glücklich machen, denn seine Gaben
befähigten ihn zu dem Höchsten. Und klar liegt vor seinem Gesichte die
Vergangenheit, sein Auge blickt in die Zukunft. Warum ist dies Auge trüb? - Weil
der Horizont trüb ist. Warum sank dieser Feuergeist, dessen Flügel der Sturm
durchschnitt, der der Sonne entgegenblickte, ohne zu zucken, in den Schlamm
zurück? Weil die Atmosphäre zu schwer ist, sein Feueratmen sie nicht
durchdringt, seine beredte Lippe umsonst redet, seine kühnen Vorstellungen an
der Macht der Menschen, an der Zähheit, der Gewöhnung, an der Macht der grauen
Alltäglichkeit abglitten. Da ward er mutlos, er verzweifelte. Erhabene Königin,
wie sollte ich es wissen! Ich spreche nur, was die Stimmen der Tausende, die
Lüfte mir zutragen, aber sie flüstern und rufen es laut: Das ist unser Loos.
Dies Firmament erdrückt Die, die zum Besseren aufwallen. Es ist einmal so in
diesem Reiche. Wer daran Schuld, sagten sie nicht, aber sie zählen viele, viele
edle Geister, die im fruchtlosen Kampf verkamen, untergingen. Wenn der edelste
Prinz, der tapferste Held, dessen Lob auf allen Zungen, den die Armee
vergöttert, diesem Loose nicht entging, dürfen wir Die verdammen, die dasselbe
gewollt, und auch ihre Flügel verbrannten, sie
