 rührende Beispiele vor, wie wir uns glücklich finden können in
beschränkten Verhältnissen. Sie wollen es tadeln, dass er die bösen Menschen
immer aus der vornehmen Welt nimmt. Aber hat Iffland Unrecht? Ich wenigstens und
der König sehen uns immer mit Befriedigung an. Sie sollen sich nur ein Exempel
dran nehmen, die es trifft, sagte neulich mein Gemahl. - Den Lafontaine möchten
sie uns auch verleiden, aber wie viele herzliche und frohe Stunden verdanken wir
ihm, wie vielen Trost, wenn wir Abends nach einem verdrießlichen Tage uns mit
ihm auf dem Sopha vom Gewühl zurückzogen. O es gibt solche Tage, wo Fürsten
nichts hören als Klagen, Gegenanschuldigungen, wo uns die Welt wie ganz verderbt
erscheint, ein Knäuel von Schlangen, sagten Sie, wir wollen es nur ein
Durcheinander von bösen Menschen nennen. Da, wenn wir uns fürchten mussten vor
Allem, was uns nahe kam, da erquickte uns Lafontaine mit der rührenden Einfalt
seiner Person, wir sahen uns an, und wenn wir uns nicht aussprachen, dachten wir
es: es gibt doch noch gute Menschen. Warum sind die es nicht, welche die
Vorsehung uns in den Weg führt. Zuweilen erhört dann der Himmel unsern Wunsch,
und wenn wir es am wenigsten erwarten.« Der gütigste Blick ruhte auf Adelheid.
»Was sind denn Ihre Lieblingscharaktere in Lafontaine?« fragte die Fürstin, um
sie in ihrer sichtbaren Verlegenheit aufzumuntern. Die Gütige sah wohl die
Wirkung, aber nicht die Ursache. Adelheid hatte an den Romanen nie Geschmack
finden können: sie hatte die wenigsten durchgelesen. Sollte sie lügen vor einer
Monarchin, die allen Schmuck der Hoheit vor ihr abgelegt, und nur in ihrem
edelsten Selbst sich gab! Adelheid hätte in diesem Augenblick aufstehen und ihr
zu Füßen stürzen können, um die Wahrheit in ihr zu verehren, die nicht in
schönerer Gestalt sich verkörpern konnte, aber die Unwahrheit sprechen konnte
sie nicht.
    Es floss von ihrem Munde, was sie dachte, mit einer kleinen Einfassung von
Schmeichelei, die darum nicht Unwahrheit war: »Mich dünkt, des Dichters Aufgabe
ist, die Menschen zu schildern, wie sie sind. Weil er Dichter ist, darf er das
Schöne und Erhabene in seinem wunderbar geschliffenen Spiegel vergrößern und
verschönern, und es mag ihm auch vielleicht erlaubt sein, das Hässliche und
Schlechte noch etwas hässlicher zu machen. Doch das verstehe ich nicht und
bescheide mich deshalb. Das Große und Schöne soll er indes nicht hässlich und
niedrig malen, sonst widersteht er unserm Gefühl, denn von der Dichtung
verlangen wir Frauen wenigstens, dass sie unsre Gefühle erheben und uns die ewige
Schönheit ahnen lassen soll. Aber wenn er umgekehrt das Kleinliche und Hässliche
ausschmückt, und dem Gemeinen den Schein der Tugend
