 Lächeln. »Welche
bittere Erfahrungen stehen Ihnen hier noch bevor!«
    »Denen Herren von Fuchsius enthoben ist, weil er freiwillig seine Stellung
aufgab.«
    »Das soll eine Spitze sein, lieber Asten, aber sie verwundet mich nicht. -
Ich bin dennoch freiwillig abgetreten und zu meiner juristischen Karriere
zurückgekehrt, trotz alledem, was Sie das Gegenteil zu glauben berechtigt.«
    »Ich setze voraus,« sagte Walter und reichte ihm die Hand, »dass Sie nach
dem, was zwischen uns darüber verhandelt ist, in mir keine persönliche Rancune
mehr vermuten. Sie wäre jetzt ein Verbrechen.«
    Der Rat drückte die gebotene Hand. »Ich bin keinen Augenblick in Zweifel
über Ihre Intentionen, und eben darum tun Sie mir leid. Sie werden das Meer der
Täuschungen von vorn an ausschlürfen. - Zugeben will ich Ihnen übrigens, dass
jener Umstand vielleicht der äußere Anlass war, aber der Entschluss datirt von
länger. Der Gedanke, dass Seine Excellenz, von jetzt ab, meine Arbeiten mit einer
Reserve von Misstrauen kontrolliren dürfte, änderte meine bisherige Stellung zu
ihm; indessen, wertester Freund, was sind Stellungen, wo Alles Schattenbilder
sind in einer Laterna magica, wir Alle Tropfen in einem Meer - Sie einer,
Bovillard, der Freiherr selbst, Alle, Alle, die das Bessere wollen.«
    »Wer sich verloren gibt, ist verloren,« entgegnete Walter. »Wir sind
künstlich isolirt, ja, umgürtet von Gräben, Wasser, Sandwällen, und unser Feuer
droht in sich selbst sich zu verzehren. Das ist Ihre, das ist Vieler Ansicht.
Aber wer berechnet die Macht des Feuers, wo ringsum trockene Stoffe lagern! Mag,
einmal entzündet, es nicht zu einer Lohe aufschlagen, die über Deutschland sich
ergießt. Mag sie nicht Europa in Flammen setzen!«
    »Und was dann! - Ich redete nicht davon. - Der Krieg liegt, ein so wüstes,
trostloses, verworrenes Bild vor mir wie der Friede. - Ihr wollt das Volk
wecken, einen Nationalkrieg entzünden - die Idee liegt doch dunkel im
Hintergrunde?«
    »Und Sie teilten sie nicht?«
    »Ich habe sie geteilt - aber das ist vorüber. Einen Sturm wollen Sie los
lassen, und was wirbelt er auf? - Staub.«
    »Und wofür leben Sie jetzt?«
    »Für die Verbrecherwelt. Die Wahrheit, die ich in der Psychologie des
Staates nicht fand, suche ich in der der Gefängnisse. Es ist eigentlich derselbe
Stempel, nur ursprünglicher, frischer. Das Schillersche Weltgericht finde ich
hier viel conciser, konkreter. Die Kreise eines Verbrechers, klein fangen sie
an, um rasch größer zu werden, bis er noch schneller seine Katastrophe erreicht;
dann
