 nicht ihre nächste Sorge angeht,
berührt er nur selten. Aber der Fall war hier. Des Herzogs von Enghien Aufhebung
und Füsillade hatte nur die politisch Denkenden und Fühlenden getroffen, was
gehen den guten Bürger Staatsakte an! Darum haben sich Die zu kümmern, die dazu
geboren sind, oder dafür bezahlt werden. Aber dass er den Buchhändler Palm in
Braunau erschießen lassen, berührte das Gefühl des Menschen, sogar den Gedanken
des Bürgers. War Palm nicht ein Bürger, eingeschrieben in die Bürgerrolle, der
ruhig seinem Verdienste nachgegangen und ruhig seine Abgaben gezahlt hatte? Was
ging ihn die Schrift an, die er verlegt, und noch dazu starb er den Heldentod,
weil er Den nicht nennen wollte, dem er sein Wort gegeben zu schweigen! Das
konnte Jedem »passieren!« Ist ein guter Bürger da, um den Heldentod zu sterben!
Es war ein Brand, der durch alle Glieder ging, vom Wirbel bis zur Zeh. Die
Entrüstung fand keine Worte dafür, und je gebundener die Meinung in dem andern
gefesselten Deutschland war, so lauter sprach sie sich in Preußen aus. Man
fühlte, was Freiheit war, und fing an zu begreifen, dass sie ein Gut, ein
heiliges Menschenrecht ist. Zur Unterstützung der Familie des ermordeten Mannes
wurden überall im Lande reiche Sammlungen veranstaltet, und die Regierung
schritt nicht ein, weder aus Furcht vor dem Kaiser, noch wegen unbefugten
Kollektirens.
    So sah es in den Bürgerhäusern aus. Wie es in den Palästen der Großen, in
den Hotels der Minister aussah?
    In dem des neuen Ministers saß in dem Zimmer, das wir schon kennen, Walter
van Asten am Schreibtisch. Aber die Flügeltüren waren zu dem neben anstoßenden
Audienzsaal geöffnet, wo der Regierungsrat von Fuchsius auf und ab ging.
Zuweilen blätterte er in Schriften, zuweilen trat er zu dem neuen Sekretair, um
Bemerkungen mit ihm zu wechseln. Er wartete auf eine Audienz und hatte schon
lange gewartet, der Minister war in den oberen Zimmern mit dem jungen Bovillard.
Walter war bei einer Arbeit, aber er ließ oft selbst die Feder ruhen, und das
gelegentliche Gespräch mit dem Rate schien ihm keine unangenehme Unterbrechung.
    »Sie haben sich da einen gefährlichen Rivalen zugeführt,« sagte der Rat. »
Sie beschäftigt er mit Berichten über sein Papiergeld und Herrn von Bovillard
schließt er in seinen Intimis das Herz auf.«
    »Das war die ihm zugedachte Stellung,« entgegnete Walter, die Feder
weglegend, und stand auf. »Wir sind Jugendfreunde, die Verhältnisse haben darin
nichts geändert, und wenn sie es hätten, was kommt es jetzt darauf an, wo der
Beste ist - der handeln kann.«
    »Wer handeln kann!« rief Fuchsius mit einem wehmütigen
