
machen soll, uns unter den Menschen erhebt, einen Einfluss verschafft! Warum nun,
wo wir immerfort Hilfe suchen müssen, um die Lücken unseres dürftigen Ichs
auszufüllen, die von uns stoßen, die man uns darreicht, die von selbst da ist!
Das Netz, das uns umschlingt, heißt Konnexionswesen. Ist's nicht in unsere Natur
eingeimpft, bedingt durch unsere Gesellschaft, unser Gemeinwesen, lag es nicht
ausgeprägt in unserm zünftigen, deutschen Sippschaftswesen? Der Sohn schlüpfte
in die Kundschaft, Rüstung, die Lehen seines Vaters, die Gesetze drückten ein
Auge zu, die Freundschaft half und die Gewohnheit machte die Vererbung zu einem
Recht. So überall. Wir sehen freilich Lumpe auf diesem Wege steigen, wo das
Verdienst zur Tür hinausgewiesen wird. Warum lässt es sich ausweisen? Warum
greift es nicht zu den Mitteln, welche die Vorsehung ihm bot? Ist das nicht viel
mehr Hochmut, vielleicht der impertinenteste Dünkel, sich nur selbst genügen zu
wollen? Sollen wir nicht klug sein, wie die Schlangen? Und was Klugheit!
Grassirt nicht unter diesen Menschen die Manie zu protegiren? Sie locken uns;
wir brauchen nur zuzugreifen. Es ist der Kitzel des Stolzes und der Armseligkeit
Derer, die aus sich nichts machen können, Andere zu erheben, die sich ihnen
fügen, ihren Launen schmeicheln, in ihre Gedanken hineinlügen. So entstanden
Schulen, künstlerische, philosophische, religiöse, so erwuchs das Königtum zu
der mytischen Größe. Man erhob sich, weil man Kleinere unter sich groß werden
ließ. Man unterließ den Pyramidenbau, weil man inne ward, dass man doch nicht
über die Wolken dringe; aber je mehr Abstufungen man zu seinen Füßen
betrachtete, um so erhabener dünkte man sich selbst. Es ist ihr Spielzeug, warum
erfassen wir es nicht, und lassen sie spielen zu unserm Zwecke!«
    Sein Blick fiel auf eine Fensterreihe, schräg dem Hotel gegenüber. Ein Teil
dieser Fenster war mit grünen Jalousieen verschlossen; sie schienen nicht erst
heute gegen den Sonnenbrand herabgelassen, der dicke Staub darauf sprach von
einem langen Verschluss. Das ganze Haus sah still und öde aus wie eines, worin
Krankenluft wehte. Ein Leiterwagen mit Strohbunden kam langsam herangefahren. Er
hielt seitwärts. Man streute das Stroh langsam auf das Pflaster vor dem Hause.
Jetzt rollte vor einem der Mittelfenster die Jalousie langsam auf, eine
weibliche Gestalt sah auf die Arbeiter hinaus. Die Geheimrätin Lupinus gab den
Leuten Anweisungen, die er nicht hörte. Sie hatte wieder ein Tuch vor dem Munde
und wehte sich frische Luft zu. - Man nannte die Lupinus eine unglückliche,
schwer vom Schicksal heimgesuchte Frau. Man rühmte sie wegen der stoischen Ruhe,
mit welcher sie die harten Unfälle, die Schlag auf Schlag sie trafen
