 so deployirt hat, dass der
Feind alle Schwächen und Hilfsmittel kennt, ist es zu spät. Und wenn Sie es noch
länger hinhalten, Ihr Volk hält es nicht länger aus.« - »Kennt man das auch in
Paris?« sagte der Minister mit einem eigentümlichen Ton, zwischen tiefem Ernst
und leichtem Spott. - »Ihre Staatsmänner zählen noch nach Jahren,« hub der Brite
wieder dringender an. »Ich nach Monden, Wochen, vielleicht nach Tagen. Wissen
Sie hier nichts von den Verhandlungen mit den deutschen Fürsten im Westen und
Süden? Um das Reich Karls des Großen zu stiften, müssen die Wittekinde vorher im
Staube liegen. Er darf auch den Schein eines Sachsenreiches nicht dulden.
Wüssten wirklich Ihre Staatsmänner nichts davon, verschlössen sie in
unglaublicher Verblendung ihr Ohr, oder glauben Sie noch, ihr Veto einzulegen,
wenn Alles abgemacht ist?«
    Der Minister war bewegt, nicht durch die letzte Mitteilung des Engländers.
Er hatte nur bis jetzt seine Stimmung durch Einwendungen in ironischem Tone zu
verdecken gewusst. Wie tief er in eignen Gedanken versenkt war, beweist der
Umstand, dass er das Vorzimmer vergaß, und Walter nicht bemerkte, obschon dieser
keinen Versuch gemacht, sich zu verbergen. Der Engländer mochte ihn gesehen,
aber für einen Vertrauten, zum Hause gehörig angesehen haben; auch setzte er
vielleicht nicht voraus, dass ein Sekretär die englische Sprache verstand. Der
Minister ging unruhig einige Schritte auf und ab. Walter hielt es sogar für
seine Pflicht, durch ein Geräusch seine Anwesenheit zu verraten, aber ohne
seinen Zweck zu erreichen.
    »Wir wissen noch mehr, Mylord,« sprach der Minister, vor dem Briten stehen
bleibend. »Eine Revolution ist im Ausbruch, eine Revolution, welche allen, die
gewesen sind, die Krone aufsetzt. Sie spielt in der Hofburg zu Wien. Der
Steuermann springt in den Rettungskahn, Fahrzeug und Volk sich selbst, den
Wellen überlassend. Franz II. legt die römische Kaiserwürde nieder, er will
seine deutschen Provinzen los und ledig erklären von allen Pflichten gegen das
Reich. Das Reich mag an der nächsten Klippe zerschellen, damit Oestreich
gerettet wird.«
    »Mich dünkt, einen preußischen Staatsmann sollte diese Nachricht nicht
erschrecken,« sagte ruhig der britische Diplomat.
    »Wenn er aus Herzbergs Schule ist! Wir fragen, hat er ein Recht dazu, darf
er preisgeben ein ihm anvertrautes, heiliges, das höchste Amt der Nation, der
Christenheit, ohne Die zu befragen, die durch freie Wahl es ihm auftrugen? Das
deutsche Volk behält das unveräusserliche Recht auf sein Dasein.«
    Der Brite fixierte ihn: »Sprechen Eure Reichsfreiherrliche Gnaden da als
preußischer Minister?«
    Im Staatsmann arbeitete ein Feuer fort, er hörte nicht
