 in Berlin sagt, wie übergossen. Er ließ alle Schüsseln vorübergehen.« -
»Unglaublich!« riefen beide Zuhörer, jeder dachte etwas andres. »Dass solch ein
Mensch sich nicht vernichtet fühlt,« sagte die Almedingen. »Weshalb, meine
Gnädigste?« - »Weil er die Ursach war, dass ein Prinz von Geblüt sich selbst
vergaß. Wenn eine solche Gewissenslast auf mich drückte, ich wüsste doch nichts
anderes, als dass ich mir das Leben nehmen müsste.« - »Die Gewissen sind
verschieden,« entgegnete Fuchsius. »Das ist eine wunderbare Gabe Gottes. Herr
Lupinus gehört zu der großen Klasse Menschen, die man wie die Frösche mit Keulen
in den Sumpf stampfen mag, sie stecken die Köpfe doch wieder raus.«
    Das zarte Gefühl der Almedingen erlaubte ihr nicht länger dem Gespräche
zuzuhören. Als sie gegangen, sagte der Besternte: »Mich dünkt, zu dieser Klasse
gehört die Majorität der Menschen.« Der Regierungsrat erwiderte: »Wenigstens,
wenn die Keulenschläge, die sie täglich empfangen, sie zur Besinnung ihres
Unwerts brächten, wäre die Welt eine andere, als sie ist.«
    Die Nachricht lief um, der Prinz werde gar nicht kommen. Es seien Depeschen
vom Rhein höchst betrübenden Inhalts eingelaufen, darauf er zu Hofe berufen.
»Und sie lässt noch nicht serviren!« seufzte ein Präsident, die Uhrkette
ziehend.
    Die noch nicht serviren ließ, hatte während dessen die Goldstücke vom
Spieltisch eingesammelt und, nachdem sie dieselben in Papier gewickelt, in den
Pompadour der Geheimrätin gleiten lassen.
    »Wollen Sie mich bestechen?« - »Ich könnte Sie doch nur belohnen wollen, dass
Sie meinen Abend durch ihre Heiterkeit geschmückt.« - »Ich bin schon belohnt
durch den Genuss, den mir Ihre Pikturen gewähren. Von wem ist dieser verlorene
Sohn?« - »Von einem Spanier. Ein Ribera, sagt man; Einige wollen gar von
Murillo. Betrachten Sie diese Schwielenhaut, diese Kruste von Schmutz, man sieht
ordentlich die verschiedenen Lager, auf denen er sich gewälzt.« - »Ich bewundere
nur das Gesicht. Aufgedunsen wie von der schlechten Nahrung, aber wie glüht das
Auge!« - »Einige finden Ähnlichkeit mit Prinz Louis Ferdinand.« - »Wie blass,
bemerken Sie, Erlaucht, bei dieser Beleuchtung. Ich möchte eher an den jungen
Bovillard erinnert werden.« - »In der Tat. Die schwarzen Brauen, auch im Kinn.
- Warum ist diese herrliche Parabel nicht weiter geführt? Wir sehen nur die
Vaterfreude. Wenn auch die Geliebte seiner Jugend die Arme dem Verlorenen
entgegen breitete, wie viel rührender wäre die Geschichte.« - »Sie könnte auch
aus Verzweiflung verloren, vielleicht die Magdalene
