 jetzt preise ich
den Himmel, dass er es so gefügt hat, und - dass er Ihnen den raschen Entschluss
eingab.« Die schönen Seelen verstanden sich; das vorhin versuchte Embrassement
erfolgte wie von selbst. »Einen Fingerzeig des Himmels wollen Sie darin
erkennen,« sagte die Fürstin. »Ich kann noch immer nicht umhin, mir einen Raub
vorzuwerfen.« - »Lassen wir den Streit darüber, gnädigste Frau. Adelheid gehört
in Ihr Haus, es ist meine aufrichtige Meinung. Der Legationsrat kann bezeugen,
wie oft ich es aussprach. Bei mir wäre sie verkommen.« - »Sie spricht nur mit
der größten Liebe von dem Guten, was sie durch meine Freundin erfahren.« - »Es
täte mir leid um das Kind, wenn sie unwahr würde.« - »Warum so
selbstquälerisch. Sie wissen selbst, bis zu welcher Verirrung das
Dankbarkeitsgefühl sie trieb.« - »Und doch hat sie mich nicht ein einziges Mal
besucht.«
    Das hatte die Geheimrätin nicht sagen wollen; es war heraus, ehe sie es
verschlucken konnte, und, was schlimmer, die Fürstin hatte es aufgefangen. -
»Sie sind leidend,« sprach sie mit bewegter Stimme. »Und Sie überwanden sich,
verließen Ihr stilles Asyl, und - Ich weiß ja, wie ich dieses Opfer zu schätzen
habe.«
    Die Geheimrätin war wieder ganz Herrin über sich geworden: »Doch ist es
nicht ganz so. Warum zwischen uns eine Verheimlichung? Überwindung kostet es
mich, ja, sehr große, diese Festkleider wieder anzulegen. Ich erwarte auch nicht
Erheiterung, noch suche ich Zerstreuung, denn ich betrachte es als eine Pflicht
gegen mich selbst. Sie sehen also, mein Opfer ist reiner Egoismus.« - »Wie Sie
da wieder täuschen wollen! Sie tun es um der Gesellschaft selbst willen, Sie
erkennen die Pflicht, dass wir nicht uns, dass wir für Alle leben sollen.« - »Oder
sie für uns!« rief eine Stimme in der Geheimrätin, die aber diesmal auf den
Lippen erstarb. Die Gargazin musste den Sinn verstanden haben, so deutete ein
Blick ihr an; es war ein merkwürdiges Verständnis zwischen beiden Frauen. Sie
liebten sich gewiss nicht, aber zum Hass war für die Fürstin kein Grund. Sie sah
sich um, ob Niemand lauschte. Der Legationsrat war unschädlich, er bildete eine
Schutzmacht gegen die Andern.
    »Wir verstehen uns, glaube ich, besser, als wir einen Ausdruck dafür
finden,« hub die Fürstin an, der Lupinus näher rückend. »Was ist uns die
Gesellschaft? - Ich setze voraus, dass wir Beide jetzt über die kleine Rivalität
recht herzlich im Innern lachen, ich meine die, welche
