 vereinzelte
Akkorde, Trompetenstösse aus einem mytischen Lande, in das Gewirr des Tages
schmetterten, um später zu einem rauschenden Orgelton zu werden. Nicht dass nicht
schon im Volke, unter einzelnen Gelehrten, in den Universitäten und Schulen der
Ruf der Nationalität vibrirte, den später die Arndt und Andere, zu einem
mächtigen Schlachtruf für die deutsche Nation erhoben, aber in den höheren
Kreisen der Gesellschaft verstummten diese Töne, erstickten diese Luftzuckungen
noch immer an einer ganz - andern Luftatmosphäre. Man hörte sie an, nicht
ungefällig, aber vornehm Beifall lächelnd, wie man eine neue, überraschende
Erfindung betrachtet, deren glänzende Erscheinung man zwar bewundert, aber die
Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit bezweifelt.
    Man hatte nachdenklich einem Redner zugehört, welcher gesprochen von der
Heiligkeit, einem Volke anzugehören, von dem Recht auf Sprache, Sitte, eigenes
Wesen, ja von der Pflicht desselben, für dieses höchste Gut sein Alles
einzusetzen. Eine Nation, die gegen diese Pflicht gleichgültig werde, habe schon
das Anrecht auf ihre Existenz eingebüßt. So weit ward der Sprecher verstanden,
die Damen hatten Verse aus der Jungfrau von Orleans und Tell citirt. Aber als er
weiter ging, und nicht sowohl den Hass gegen alles Französische, nicht allein
gegen Bonaparte und seine Soldaten, gegen die Revolution und die Jakobiner
empfahl, worin man ihm beigestimmt haben würde; als er es als noch heiligere
Pflicht forderte, dass der Einzelne wie das Ganze sich versenke in das, was
deutsche Art und Wesen sei; dass nur dann, wenn wir dieses wieder rein
hergestellt in der Sprache, unsern Gewohnheiten, unserer Denkweise, wenn wir
ganz wieder zurückgekehrt zur eigentümlichen Anschauungsart unserer Väter, das
Fremdartige, was durch Jahrhunderte sich in unser Blut gefressen, abstreifend
und ausmerzend, dass nur dann Rettung sei für unsere Nation von der
Fremdherrschaft: da hörte man wohl belobende Phrasen, die Meisten aber
verstanden es nicht, Andere schwiegen, noch Andere schüttelten den Kopf.
    Der Redner hatte eine noch kühnere Hypothese aufgestellt: nur in der
Nationalität sei die Wurzel der Kraft, um der Tyrannei zu widerstehen. Der
corsische Riese, der mit den Flügeln des Vogels Rock die Welt umspanne, wisse
was er tue, indem er das Ureigene der Nationen erdrücke, um sie in eine
Allgemeinheit von gleicher Farbe, gleicher Prägung zu stampfen. Das ermatte den
Lebensnerv; woran solle die Begeisterung, der Patriotismus sich klammern, wenn
ein Pfeiler nach dem andern der alten heiligen Erinnerungen, der Töne und Bilder
zerbreche, an denen wir uns als Kinder gehalten? Das unscheinend Unbedeutendste
sei da von Wichtigkeit, ein altes Lied, es dünkt uns ohne Sinn, ein Sprüchwort,
eine Ruine, ein dunkler Winkel, den ein Geist, eine Sage umschwebt, eine
Gewöhnung, die uns albern
