 in dem jungen Herzen angepocht: hat
die Natur den Menschen auf die Welt gesetzt zur Lüge, oder um nach der Wahrheit
zu ringen? Die der Lüge lebten, einen andern Schein um ihr Sein woben, - hatte
sie nicht beobachtet, dass gerade diese vom Glück angestrahlt waren, gesucht,
geschätzt, anerkannt, selbst von Denen, welche sie durch und durch erkannten!
Die dagegen kein Aushängeschild über ihr Wesen trugen, ihre Gedanken rein
aussprachen, gerade auf ihr Ziel losgingen, wo hatten sie es erreicht, wie
wurden doch ihre Gedanken missverstanden, anders ausgelegt, höchstens belohnt
durch eine laue Anerkennung ihres redlichen Strebens. Aber hinzugesetzt ward:
schade, damit wird er nie durchdringen. Es hilft der Welt nichts, was er tut. -
Was hatte Walter errungen? - Der arme Walter! Und sie! - Sie hatte ihn
getäuscht, sie täuschte ihn noch immer fort, sie täuschte sich - sie war in ein
Labyrinth der Lüge geraten. Und wo der Ausweg!
    Als wolle sie ihn suchen, hatte sie in die Wipfel geblickt, deren Blätter im
Abendwinde durcheinander wogten, ohne dass sie nur eins mit den Augen verfolgen
können. Da hatte die Baronin jene Worte an sie gerichtet. Und wieder betraf sie
sich auf einer Lüge. Sie musste das Auge vor dem Blick der Eitelbach
niederschlagen. So hell und klar sah diese sie aus ihren großen blauen Augen an.
Das ausdruckslose Gesicht gewann durch das Gepräge der Wahrheit einen Ausdruck,
der für sie in dem Moment überwältigend war.
    »Liebe Alltag, warum zieren Sie sich denn vor mir,« sprach die Eitelbach mit
dem gutmütigsten Tone von der Welt. »Der Bonaparte mag ein noch so böser, und
unser König ein noch so guter Mensch sein, jeder Mensch denkt doch an sich
zuerst.«
    »Jeder!« sagte Adelheid, um nur durch ein Wort ihrer gepressten Brust Luft
zu machen.
    »So ist es schon. Ich lass' mich auch gar nicht mehr irre machen. Krieg mag
schon nötig sein auf der Welt, meinethalben; ich kenne sie aber, die Herren
Offiziere, alle, und da ist keiner, der nicht an sein Avancement denkt, wenn er
sich in den Kragen wirft und grunzt, dass man glaubt, die Seele sollte ihm
ausgehen, von des Königs Rock und Friedrichs Ehre, und wenn er dann auf den
Hacken Kehrt macht und eine Miene sich geben will - Na, habe Dich nur nicht,
denke ich. - Gerade wie mein Mann. Wenn der spuckt und über den Frieden
lamentirt und sagt: Daran gehen wir zu Grunde! dann weiß ich auch, was die
Glocke geschlagen hat. Wenn er die Mantellieferung gekriegt, dann wären wir
nicht zu
