 in diesen Häusern soll künftig eine
Präsenzliste geführt werden. Wer aus- und eingehet, muss seinen Namen
einschreiben. An jedem Morgen wird der Polizeipräsident wissen, wer sie besucht
hat, und die Beamten werden höheren Orts gemeldet.«
    Die beiden Geheimräte sahen sich unwillkürlich mit einem wunderbaren Blicke
an. Es entstand eine Pause. Eine vertraulichere Stimmung schien zwischen dem
Wirklichen und dem Nichtwirklichen eingetreten, als jener nach einem kurzen
Ambuliren seine verschanzte Stellung im Stich lassend, sich mit überkreuzten
Beinen auf das Sopha setzte. Der Nichtwirkliche nahm bescheiden in der andern
Ecke Platz.
    »Und dann, warum müssen Sie mit jeder Schürze auf der Straße Konversation
anfangen, und jedes hübsche Dienstmädchen in die Backen kneifen?«
    »Mon Dieu, auch das ein Verbrechen, wenn das Herz uns treibt, unsere
Mitmenschen zu uns zu erheben! Je vous proteste, ce n'est rien que l'inspiration
d'un coeur humain.«
    »Genialität, mon ami! Ces beaux temps sont passées. Sie werden mich gewiss
nicht zu den Rigorosen rechnen, aber man muss doch auch mit einem gewissen Ernst,
der unserer Stellung und unserm Alter ziemt, die Verhältnisse betrachten. Es
musste anders werden. Das sittliche Gefühl des jungen Monarchen war durch so
viel Affröses verletzt. Man hätte sich nicht wundern dürfen, wenn er selbst mit
rigoroser Strenge dazwischen fuhr. Aber in seiner milden, bescheidenen Weise
zieht er es vor, nur durch sein Beispiel zu wirken. Und es ist überraschend, wie
es schon gewirkt hat. Wie menagiren sich jetzt die Damen am Hofe! Hört man noch
das disgustirende Geplauder von sonst! Ein Wort, ein strafender Blick der
Königin, und wie der Nebel bei Sonnenschein wird es rein - die chocquirenden
Konfidenzen verstummen. Kennen Sie die alte Voss wieder? Ganz die Airs einer
würdigen Matrone! Wenn es auch noch nicht überall einklingt, so macht man doch
Efforts. Selbst Komtess Laura, geht sie wohl noch so ausgeschnitten wie sonst?
Und wenn man auch noch die Redouten in Bergers Saal besucht, mit welcher Decenz
geschieht es. Da kennt Keine die Andere, so tief maskirt! Ihre Wagen lassen sie
schon an der Ecke der Doroteenstrasse zurück. Nein, die Progressen in der
öffentlichen Moral sind unverkennbar. Und die Minister! Was kann denn erhebender
sein, als wie der unsere den Glanz des Weltmannes von sich abgestreift hat, und
wie ein Patriarch unter den Seinen lebt. Die Frau Ministerin, wenn sie das
schlichte Häubchen auf dem Kopf, die Schürze vor, als Hausfrau in Küch' und
Keller waltet! Ein Fremder könnte glauben, dass er in eine gewöhnliche
Bürgerwirtschaft gerät. Ein herzlicher Händedruck würde ihn begrüßen, ein
Trunk Bier steht immer auf dem Tische
