 doch auch dem Publikum erzählen.
    »Wenn uns Merkel nicht wieder eine Finte aufbindet!« sagte ein Mann in
mittleren Jahren, mit lebhaften dunkeln Augen, der, seiner Kleidung nach, dem
geistlichen Stande anzugehören schien; das Bleistift und Pergament in seiner
Hand deutete aber auf einen Berichterstatter für eine Zeitung, was er auch
wirklich war, der französische Prediger und Professor Katel, damals, und noch
lange nachher, Redakteur der Vossischen Zeitung. »Diesmal hat Merkel die
Wahrheit gesagt, liebster Katel,« bemerkte sein Nachbar. »Der Kourier ist da,
auch ich sah ihn, und was ich durch das Gedränge gehört, sind so wunderbare
Dinge, dass Sie Ihre Zeitung übermorgen damit füllen können.« - »Sie verlangen
doch nicht von mir, dass ich Mirakel schreiben soll!« entgegnete Katel. »Das ist
weder meines Metiers, noch meiner Zeitung. Rebus in arduis aequam servare
mentem.«
    »Ist zwar ein schöner Wahlspruch,« entgegnete der Andere, »aber es gibt
doch Ausnahmen.«
    »Die sich doch wieder auf eine Regel zurückführen lassen. Alle Bewegung
sinkt auf ihr Niveau oder Maß zurück und die Gesetze dieses Masses sind die
Kunst. Und das sahen wir an diesem Abend. Iffland hat sich wieder selbst
übertroffen. Sehen Sie - - sehen Sie ihn da, Feuer und Flamme für den Krieg, er
ist der Soldat, den er vorhin gespielt, ich glaube, wenn ihn Seine Majestät der
König in die Linie beriefe, so würde er auch da vor den Rotten wie ein Meister
der Kriegskunst dastehen. Und nun betrachten Sie, mit welcher klassischen Ruhe
er auch dieses Feuer menagirt! Und vorhin im Puls, das war kein Spiel, das war
wieder ein Ernst, eine Wahrheit, eine Kunst, die uns an der menschlichen Natur
irre machen könnte. Ohne Zweifel war er von den Auftritten, die nun folgen
sollten, nicht allein unterrichtet, sondern er hat sie mit arrangirt, er lebte
in dem Gedanken, und wo merkte man es ihm an! Ich habe ihn genau beobachtet. Da
war jedes Fältchen der Weste, jeder Knopf wie sonst. Wie er mit der Rechten den
Puls des Patienten fühlte, zählte er mit den Fingern der Linken auf dem Rücken
die Schläge. Das werden Wenige bemerkt haben. Er tat es auch nicht fürs
Publikum, für sich, um sich selbst zu genügen. Diese Ruhe, diese Herrschaft über
Leidenschaft und Welt ist es, was den Künstler macht. Ich hätte nur einen Wunsch
jetzt -«
    »Doch nicht, dass Iffland selbst ins Feld ziehen soll?«
    »Nein, ich möchte ihn Talma gegenüber sehen. Jeder, bin ich überzeugt, würde
den Andern bewundern, Jeder vom
