 oder besser er umschlang sie mit seinen Armen, und den
Begegnenden versicherte er, in diesen beiden Freunden opferte er seine
teuersten Erinnerungen dem Vaterlande! Unzelmann, als Trompeter, streifte am
Arm eines hübschen Kavallerie-Offiziers durch das Parterre. Wer dafür noch Sinn
hatte, blickte neugierig verwundert nach. Der junge blonde Offizier nahm das
spöttische Lächeln seelensvergnügt hin, Unzelmanns komische Miene deutete aber
an, dass ihn der Sinn nicht verletze. »Unzelmann und Quast Arm in Arm!« -
»Unzelmann spielt heute seine Frau.« Er rief den Spöttern nach: »Beschämte
Eifersucht wird nicht mehr gespielt, meine Herren,« - »denn Eifersucht ist das
größte Ungeheuer!« replicirte ein junger Schöngeist, der die alten Spanier
studierte.
    »Und gegen das größte Ungeheuer,« fiel der Schauspieler eben so schnell ein,
»ziehen unsere braven Truppen.« Auch »Menschenhass und Reue,« meine Herren, wird
nicht mehr gegeben, »denn wir brauchen allen Menschenhass gegen die Franzosen.« -
»Und,« setzte ein dritter Witzbold hinzu, »ein Lump, wer nicht sein Bestes und
sein Schlechtestes mit seinem Alliirten teilt.« - Anspielungen, die damals
Jeder verstand, auch viele Jahrzehnte nachher hat sich die Erinnerung erhalten;
nicht wert um ihrer selbst willen, aber von Wert zur Charakteristik einer
Zeit, die längst von den Springfluten der Geschichte fortgespült und von ihrem
mächtigen Strom auf immer verschüttet scheint. Nicht die Frivolität ist
begraben, aber in dem luftigen Kleide von damals darf sie sich der Gesellschaft,
in keinem ihrer Kreise, nicht mehr zeigen.
    Enthusiasmus, wohin man sah, aber es fehlte noch etwas: ein Schluss, der dem
Anfang entsprach, ein Siegel auf die fertige Urkunde gedrückt. Wozu die ganze
Aufregung ohne ein Ziel? Aus dem Theater sind später Revolutionen
hervorgegangen, aus der »Stummen von Portici« stürzten die berauschten
Zuschauer, um die Funken des Bühnenfeuers als Brand auf den Markt zu tragen.
Dazu war hier nicht der Ort, nicht die Zeit, nicht die Menschen. In den
geschlossenen Teaterräumen hallte der Ruf: »Krieg! Krieg! Zu den Waffen!«
trefflich, aber wären sie hinaus gestürzt, was dann? Wie klein wäre die Zahl
gewesen, wie bald zerstreut auf den breiten Straßen! Hätte Jeder sich gern in
der Gesellschaft der Andern erblickt, Derer, die vielleicht ihnen da zuströmten?
Und was sollten sie tun? Vor das Palais des Königs rücken, dort Fackeln
schwingen, wild schreien: Krieg! Krieg! Was würde dieser König, der, dem
Ungewöhnlichen, Exaltirten abhold, seine Person scheu von aller Repräsentation
zurückzog, zu einem brüllenden Haufen sagen, der ihn zu einer Handlung zwingen
wollte, die
