 hübschen Mädchens, dem er viel
Aufmerksamkeit erwies.«
    »Ist das nicht Grund genug, Herr Legationsrat?«
    Wandel zuckte die Achseln: »Unter andern Verhältnissen. Erlauben Sie mir
indes zu glauben, dass es hier kein Grund ist. Doch bin ich beruhigt, und
verzeihen Sie, wenn ich es vorhin nicht schien. Das erste Gesetz der Wissenden,
meine Freundin, ist, sich zu hüten vor dem Unnötigen, wo das Notwendige schon
unsere ganze Geisteskraft beansprucht. Wir dürfen nicht spielen mit den Dämonen,
wie diese hier tun; sie vertragen es nicht. Sie gehorchen uns nur, wenn wir das
eiserne Auge nie von ihnen lassen und mit einem Stahlarm sie pressen - auf das
Notwendige hin. Von Phantasten und Jongleurs reißen sie sich los, und schlagen
sie mit den zerrissenen Fesseln nieder.«
    Im Theater wurde es laut. Ein Teil des Publikums schien durch Summen und
Singen die kriegerischen Töne der Ouverture zu accompagniren. »Mein Gott, - wenn
sie doch jetzt - wir versäumen etwas!« rief die Lupinus, es war aber nicht das
Verlangen, nach dem Theater zurückzukehren. »Wie sanft sie atmet!« sagte die
Fürstin. »Debarrassiren Sie sich von ihr. Es ist am Ende doch das
Gescheidteste!« flüsterte Wandel der Geheimrätin zu. Sie blickte ihn fragend
an.
    »Sie bezweifeln, dass ich als Ihr Freund spreche. Mein Rat sollte Ihnen
beweisen, dass ich es bin. Ich sage nicht, dass Sie eine Natter sich am Busen
erzogen haben, aber in dem Mädchen ist etwas Dämonisches. Bildete sie sich nach
Ihnen? Schlug nur einer Ihrer Ratschläge an? Sie müssen sich gestehen, dass das
Mädchen unberührt blieb, gleichviel ob im Guten oder Bösen. Aber Sie sind nicht
mehr Herrin Ihrer selbst, seit dieses Gewicht an Ihnen hängt, Ihr kluges Auge,
Ihr scharfes Ohr, Ihre Schritte und Tritte, ich möchte sagen, Ihre Gedanken
belauscht. Fast erkenne ich meine stolze, sichere Freundin nicht wieder, wenn
ich die Rücksichten sehe, die sie auf ein in jeder Beziehung untergeordnetes
Wesen nimmt. Aber sie ist nicht, sie kann nicht untergeordnet sein ihrer Natur
nach, das ist eben das Dämonische, was ein frei denkendes Wesen nicht neben sich
dulden dürfte. Bringe sie nicht Unglück in jedes Haus, in das sie tritt! Dort -
hier. Überrechnen Sie die Verlegenheiten, in die Ihre Güte gegen Adelheid Sie
gestürzt, und ziehen Sie den Schluss, welches von beiden Übeln größer ist, dass
die Welt wieder einmal acht Tage über Sie lästert, oder - dass Sie frei, Sie
selbst wieder sind. Wählen Sie das Kleinere, und ergreifen die erste
Gelegenheit.«
    Die Ouverture schloss mit Anklängen aus dem
