 um das Mieder des
jungen Mädchens zu halten; seine Tafeln sind bedeckt mit Kadavern. Ja, dem
Menschen ist in dem unerforschlichen Ratschluss des Ewigen das Amt gegeben, den
Menschen zu erwürgen, und der Krieg ist's, der den Spruch erfüllt. Die Erde
selbst schreit nach Blut. In Erfüllung des großen Gesetzes, das gewaltsame
Zerstörung unter den lebenden Wesen fordert, ist die ganze Erde, fortwährend von
Blut getränkt, nur ein ungeheurer Altar, auf dem Alles geopfert werden muss ohne
Ende. Ja, meine Teure, zweifeln Sie daran, wenn Sie die Weltgeschichte
durchblättern, wenn Sie die roten Schlachtfelder überblicken, mit denen der
gekrönte Korse die Länder füllt, dass der Würgeengel sie umkreist wie die Sonne,
und eine Nation nur aufkommen lässt, um andere zu schlagen! Wenn die Verbrechen
sich gehäuft über das Maß, dann verfolgt mit Hast der Engel, ohne Maß zu kennen,
seinen unermüdlichen Flug. Die sicht- und greifbaren Anlässe erklären den Krieg
nicht; Jeder kennt ja das Übel; wenn sie wollten, könnten sie ihm ja leicht
vorbeugen. Aber es ist der Durst dieser großen Sünder nach der Strafe, von der
sie fühlen, dass sie sie verdient, sie stürzen danach, wie die Hirsche zum
Quell, um dadurch gesühnt zu werden. Sehen Sie, Teuerste, wenn wir ihn so
betrachten, müssen auch die Schrecken des Krieges geringer werden; ja wenn wir
uns versenken in den berauschenden Gedanken, dass Er es ist, der von dem sündigen
Menschengeschlecht im Augenblick seiner höchsten Not gerufen, in seiner
Donnerwolke eintritt, um die Ungerechtigkeit, welche die Kinder dieser Welt
gegen ihn begingen, zu strafen und vernichten, dann wird der Krieg selbst in
unsern Augen zu etwas Göttlichem und seine Schrecken schwinden vor dem
geängsteten Gemüte.«
    Wir wissen, dass dies nicht die eigenen Ansichten der Fürstin Gargazin waren,
sondern dass sie dieseben in Petersburg aus dem Munde eines französischen
Fanatikers vernommen hatte, der, damals noch wenig beachtet, später aber von so
unheilvollem Einfluss ward, noch heute dauernd, aber noch heute zweifelhaft, ob
von schlimmerem auf die Völker oder die Fürsten, indem er ihr Thema, die
Erblichkeit der Rechte, auf keinen festern Grund zu bauen wusste als auf die
Erbsünde der Menschen!
    Die Fürstin hatte erreicht was sie vorhin wollte, sie hatte die Baronin zum
Schweigen gebracht; aber die stumme Sprache der Seufzer ward ihr noch peinlicher
als die vehementen Liebesklagen, von denen sie sich debarrassirt. Sie drückte
sanft die Hand ihrer Begleiterin, sie bedauerte, wenn ihre Phantasien einen zu
tiefen Eindruck auf ihr Gemüt gemacht, auch sei der Krieg ja noch nicht
bestimmt erklärt, und wenn er ausbreche, wache ein Auge dort oben über Alle, und
