 man muss Achtung geben. Die Ideen können
viel Unheil in der Welt anrichten. Erinnern Sie sich an Frankreich! Da ist hier
der junge Professor Fichte! O, es sind ihrer mehrere. Ein sublimer Kopf - aber
sie sehen den Wald vor den Bäumen nicht. Auf das Praktische, auf das, was uns
Not tut, den Sinn gerichtet! Das Hemde ist uns näher als der Rock. Der
Kaufmann ist eigentlich der wahre Philosoph für die Welt. Er weiß, was uns Not
tut. Sie geben mir Recht, lieber Splittgerber. Wenn wir ein Trauerjahr vor uns
haben, werden Sie nicht Kochenille verschreiben. Das heilige Römische Reich, als
es existirte, brauchte freilich vielerlei Nürnberger Ware, unter anderm auch
einen Kaiser. Brauchen wir das? Wir sind das Reich du grand Frédéric! Sie werden
mir darin Recht geben. Eine Weltkatastrophe hat alle Verhältnisse umgeworfen.
Was sind Nationalitäten? - Irrlichter! Laterna-Magicabilder! Wenn man eine
anders gefärbte Glasscheibe vorschiebt, sehen sie anders aus. Wie Preußen sich
selbst gefunden hat in seinem großen Könige, so haben die Franzosen sich in
Bonaparte gefunden. Wie Friedrich das Genie der Franzosen erkannte, erkennt
Napoleon den Genius der in unserer Monarchie lebt. Sie glauben garnicht, wie man
uns erkannt! Wir sind, wie bestimmt von dem Geist über dem Sternenzelt,
brüderlich, Hand in Hand im Völkerbunde neben einander zu schreiten. Und da
wollen Querköpfe eine tudesque Idee dazwischen schieben. Ich bitte Sie, ich
wiederhole es, was sind Nationalitäten? Fragen Sie, wenn Sie Pfeffer kaufen, von
wem Sie ihn kaufen? Der billigste Verkäufer ist der beste, Und wenn Sie
verkaufen, wer den höchsten Preis dafür zahlt, der ist der beste Käufer: nicht,
ob er Italiener ist, Franzos oder Russe.«
    Dem Kaufmann aus der Brüderstrasse schien der Ideengang des Staatsmannes denn
doch nicht ganz geläufig. Er handelte nicht mit Pfeffer: »Herr Geheimrat
beliebten von einem Kourier zu sprechen -«
    Bovillard legte die Hand auf seinen Arm und mäßigte die Stimme: »Nur Ihnen,
und unter dem Siegel des tiefsten Geheimnisses.« Bovillards Gesicht glänzte -
»alle Missverständnisse gehoben, alle Schwierigkeiten ausgeglichen, der König und
unser Vaterland können sich glücklich schätzen, dass sie Diplomaten haben, welche
es verstehen, Krieg zu führen ohne den Degen zu ziehen.«
    An der Türpfoste gelehnt, lorgnettirte der Geheimrat noch einmal ins
Zimmer, nur stand neben ihm nicht mehr der Kaufmann aus der Brüderstrasse,
sondern ein Herr mit dem Kammerherrnschlüssel und einem Krückstock.
    »Parbleu, comme elle est belle - et bête! N'est-ce pas?«
    Die Bemerkung galt der Dame, welcher der Rittmeister vorher den Stuhl vor
der Nase
