 Gedanke, dass es so sein müsste -«
    »Und erschrakst Du vor dem Gedanken?«
    Sie schwieg einen Augenblick: - »Nein gewiss nicht, Walter. - Wo konnte ich
besser aufgehoben sein, dachte ich, wer sollte mich besser zum Rechten führen
und schützen! Ich gewöhnte mich so daran, dass -«
    »Du gewöhntest Dich nur daran!«
    Jetzt erschrak sie vor dem Ton der Frage. Sie legte sanft die Hand auf
seine, und blickte ihn klar an: »Hast Du nicht zuweilen gemerkt, dass ich
lächelte? Ich dachte dann an das, was Du oft gesagt, der Mensch erzieht sich
selbst, und man kann keine Natur ändern. Und Du wolltest mich doch ändern, so
wie Du mich wünschtest. Und dann widersprach ich aus Übermut. Nur aus
Schelmerei, ich nahm mir im Herzen doch vor, zu werden, wie Du es wünschtest.«
    »Das hattest Du Dir vorgenommen und ich war der Gegenstand Deiner Gedanken!«
    »Und da kam ich auf kuriose Dinge. Ob ich Dir auch würde auf die Schulter
klopfen, wie Mutter tut, wenn sie der Vater anfährt, ob Du auch zornig werden
könntest? Und ob ich dann auch so machen dürfte, wie Mutter tut, um ihn wieder
gut zu machen. Ich muss Dir sagen, es kam mir nicht ganz recht vor, wenn auch
Mutter sagt: so muss man die Männer behandeln, wenn man Friede im Hause haben
will. Du bist doch ein ganz anderer Mann, und ich meinte, wir müssten uns jeder
dem andern grad heraus sagen, was er denkt. Ach und tausend Dinge. Aber, Walter,
das dachte ich alles weit entfernt.«
    »Hast Du nicht auch gedacht, dass Du jetzt in einem glänzenden Hause bist,
eine gefeierte Schönheit, von Bewerbern umschwirrt, die von ihrer Anbetung
sprechen? Hast Du nicht an Dein Herz gefühlt, ob, wenn der Eine oder der Andere
ernst spräche -«
    »Nein,« fiel sie rasch ein. »Sie sind mir alle gleichgültig.«
    »Aber die Geheimrätin! Du bist ihr Augapfel. Sie wünscht, dass Du eine gute
Partie machst, sie sucht vielleicht schon nach einem passenden Gatten, der Dich
über Deinen Stand erhebt. Vielleicht auch, sie ist kinderlos, reich, das große
Vermögen kommt von ihr -«
    Sie fasste mit Heftigkeit seine Hand. »Nein, Walter, das denke um Gottes
Willen nicht. Ich habe nie daran gedacht.«
    »Und der Gedanke ist so natürlich. Du schauderst ja fast.«
    »Ich begreife es oft nicht, warum ich nicht mehr Dank für sie fühle, aber -
aber lassen wir das! Walter,
