 klammern, in einer Zeit, wo
der Einzelne nur Lust zum Atmen findet, wenn er sich versenkt ins Allgemeine.«
    »Das ist Lüge, glaub's mir, pure Lüge. Wir kriechen nicht aus unserer Haut.
Es ist alles persönlich, unser Appetit und unsre Begeisterung, unser Hass und
unsre Liebe. - Auch Dir ist was Angenehmes im Traum begegnet, darum träumst Du
jetzt für die Menschheit und für den Staat Seiner Majestät des Königs von
Preußen.«
    Der frohe Zug um Walters Lippen, sein heller Blick sprach für Louis
Behauptung. Ein deutliches Ja beantwortete sie: »Ich träume einen schönen Traum,
und darum gehe ich mit Mut an mein Werk.«
    »Lass es aber nicht drucken,« sagte Bovillard.
    »Warum?«
    »Es sind verteufelt gute Gedanken darin; gedruckt sind sie Allgemeingut.
Irgend einer schmeisst sie etwas um, gießt seine Sauce drauf. So laufen sie
durchs Publikum und Du gehst Deinen Prosit quitt.«
    »Sie sollen wirken. Auf diesem Wege gelangen Sie an ihr Ziel. Wenn auch
verrückt, verfälscht, es haftet etwas. Will ich etwas für mich?«
    Bovillard sah ihn scharf an, und sagte: »Ja!«
    Walter errötete.
    »Du willst wirken, das heißt selbst eine Wirksamkeit haben. Zünden Deine
Gedanken, so wärst Du ein Narr, wenn Du am Feuer nicht Deinen Topf wärmen
wolltest. Du hoffst noch und hast ein versöhnlich Gemüt. - Purpurroter Freund
der Wahrheit, wenn Du im Amte bist, lerne Dich etwas verstellen, nur zum Besten
des Allgemeinen, in das der Einzelne sich versenken muss. Wer dem realen Staat
dienen will, muss lügen können.«
    Walter hatte nicht gesehen, wohin Bovillard sah. Indem er ihn zu fixiren
schien, hatte er über seinen Kopf weg auf der Wand einen Kranz vertrockneter
Kornblumen entdeckt, die künstlerisch mit einem blauen Bande verschlungen waren.
    »Und außerdem bist Du verliebt, und wünschest eine anständige Versorgung, um
heiraten zu können.«
    Die Purpurröte auf Walters Gesicht wich einer Blässe, doch nicht auf lange.
In seinem Auge sammelte sich wieder der milde Glanz der Zuversicht von vorhin.
    »Weshalb vor dem Freunde ein Geheimnis. Ich liebe und ich hoffe. - Nun
schütte Deine Philippica aus gegen meinen Egoismus, ich will versuchen, ob ich
dem Hagelschauer widerstehe und doch noch etwas von mir rette -«
    »Wenn wir auch ein verschieden Facit zögen, die letzte Rechnung schließt
Jeder doch nur mit sich ab. Du tust recht. Dir steht's an der Stirn
geschrieben, dass Du zum guten Bürger geboren bist, an meiner stand etwas von
Kains Zeichen? Hast Du Dich mit Deinem Vater ausgesöhnt?«
    »
