!« Hätte die Lupinus der Beruhigung über einen Punkt
bedurft, so war sie jetzt durch Adelheids Exaltation und durch die Sicherheit
ihrer Sprache beruhigt. Aber dieser bedurfte sie nicht.
    »Verstossen Sie mich, gütige Frau! Ich weiß ja, welchen Undank ich auf mich
lade. Stoßen Sie mich aus Ihrem Hause, zurück in meine ungewisse Lage, - nein
mehr als das, es kostet Ihnen nur ein Wort, wenn Sie mich aufgeben, so fällt der
ganze Fluch wieder auf mich, alle die bösen Erinnerungen, das Gerede erhält neue
Kraft, dann bin ich vor der Welt verloren.«
    »Exaltire Dich nicht,« sagte die Geheimrätin, »mich kümmert das Urteil der
Welt nicht, ich verlange nur Wahrheit zwischen uns.«
    »Und ich - darf Sie Ihnen - heut nicht geben.«
    »Heut nicht -« wiederholte langsam die Geheimrätin. »Da es kein Dieb und
Räuber war, denn es ist doch nichts entwendet, und er floh vor dem Anblick einer
schwachen Frau, kann es nur ein leidenschaftlicher Mensch gewesen sein. Da Du
aufschrieest, war es auch kein Rendezvous, sondern er überraschte Dich, oder
vielleicht aus Mitleid oder Schonung willst Du seinen Namen jetzt nicht nennen.
Nun das pressirt ja auch nicht. Du willst ihn nicht wiedersehen, und wenn Du es
ihm selbst schon gesagt, überhebst Du mich der Mühe, ihm mein Haus zu verbieten.
Auch wirst Du klug sein, um Dich und mich nicht in Demelés zu verwickeln, und
die Vorsicht gegen Andere beobachten, die Du gegen mich übst. Im Übrigen könnte
es mich wenig kümmern, wer es ist, da es an törichten Menschen in der Stadt
nicht fehlt, die Dich auf Schritt und Tritt angaffen und uns Beiden
Inkommoditäten verursachen, wenn ich nicht besorgen müsste, dass es einer der
Freunde unseres Hauses wäre. Wenn das ist, müsste ich Mamsell Alltag bitten, bis
morgen sich zu besinnen, ob sie mir den Namen nennen will, denn Personen, welche
hinter meinem Rücken das Recht der Gastfreundschaft verletzen, müsste ich den
Stuhl vor die Türe setzen.«
    Sie hatte sich umgewandt. An der Tür holte Adelheid sie ein. Sie presste
die Hand der Geheimrätin an die Lippen und bedeckte sie mit heißen Tränen: »O
verzeihen Sie mir, ich bin ein undankbares Geschöpf, aber, - nicht so undankbar,
- nein, aus Ihrem Hause ist er nicht, er ist nie über Ihre Schwelle getreten, er
darf nicht über Ihre Schwelle treten.«
    Mit dem Lichtstrahl, der plötzlich in der Lupinus aufschoss, fiel ein
schwerer Stein von ihrem Herzen. Es war ein erstes, wohlgefälliges Lächeln, das
über ihre Lippen schwebte. Sie hatte an den Legationsrat
