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waren die angenehmen Zirkel der Geheimrätin im Wege. Hatte sie nicht in einem
langen Gespräch sie nach allen Verhältnissen, Personen ausgefragt? Wozu das? Sie
wollte auskundschaften, was den Zauber dieses Kreises bilde. Was konnten die
fremde, vornehme Frau sonst die Verhältnisse eines bürgerlichen Hauses in Berlin
interessieren! Und jetzt wusste, kannte sie alles, und hatte vielleicht alles
zerstört. - Wer würde denn noch ihre Gesellschaft besuchen? Nicht weil der König
sich gegen den Dichter ausgesprochen. O nein, das konnte ihrer Societät gerade
einen neuen Reiz geben, die freien mutigen Geister locken, aber vor dem Fluch
des Lächerlichen flieht die Geisterwelt. Und er - sollte, könnte ihr dabei
hülfreiche Hand geleistet haben! Unmöglich!
    Eine unaussprechliche Bitterkeit ergriff die Gequälte. Kann eine Frau einen
Mann fordern? Was rann eine Frau, und wenn sie den Mut einer Judit und
Herodias besaß, in dieser Welt der Konventionen! Ihr Hass mag glühen wie der
Aetna, den Atem muss sie in sich zurück pressen, sonst verwundet sie sich
selbst. Die Macht des Lächerlichen umstarrt sie wie himmelhohe Eisfirnen, die
auf ihrem Spiegel nur die verzerrten Züge ihrer Wut als Karikaturen
wiedergeben. Gibt es denn keine Mittel für ein Weib, der Welt den Krieg zu
erklären? Nur das kleine Spiel der Ränke, um hie und da mit giftigen Nadeln zu
stechen, ihnen vergönnt! Einen Verhassten - mag eine Frau, die einen Mächtigen
beherrscht, verfolgen, vernichten; wenn nun aber ihr Hass nicht an Einzelnen sich
genügen lässt, wenn die Vernichtungslust ihre Adern wie ein wildes Feuer
durchglüht, wenn sie die Armseligen, Gemeinen, Undankbaren von der Erde
wegspülen möchte, wie Pharaonis Schaaren das rote Meer - wenn sie fühlt, mit
diesem Rachekitzel der Menschheit selbst einen Dienst zu leisten! - Sie kann nur
morden im Traum!
    Sie presste ihre Hände an die heiße Stirn, als sie wieder ein Geräusch
hörte. - Das war Adelheids Stimme, hell - wie ein Aufschrei. Es kam von weitem
her, aber nicht weit genug, dass es von ihrem Zimmer sein konnte. Da kam ihr das
Mädchen wieder in den Sinn. Sie hatte gar nicht an sie gedacht. Was war aus ihr
geworden? Sie sann nach. Eine dunkle Vorstellung, dass man Hilfe! Sie brennt!
gerufen. Sie durfte sich versengt haben. Von ihren Feinden war ja alles
geschehen, der Sache einen Eklat zu geben. Aber der Ton kam wieder; nicht mehr
ein Schrei, aber der bange tönende Schall, den die Menschenstimme annimmt, wenn
etwas Ungewöhnliches uns überkommt. Sie hörte noch eine andere Stimme. Auch ein
Schrei, wie wenn man Geister erblickt. Das war keiner von der Dienerschaft, auch
nicht ihr Mann
