 möge man ihn beglückt zurückkehren lassen in die stillen Täler seines
Fichtelgebirges. Wenn seine Waldbäche über die bemoosten Steinblöcke rieselten,
die Fichten säuselten, die Veilchen aus dem feuchten Grün dufteten, und wenn
dann wieder an des Dichters Seele edle schöne Frauen vorüber schwebten, Lianen
und Nathalien, im Diadem des Morgenrotes, wenn ihre Füße im Tau sich badeten,
ihre seelenvollen Augen das Blau des Aeters saugten, um Huld und Wohlwollen für
tausend blutende Herzen widerzustrahlen, - dann kämen sie von den Bergen, die er
einmal bestiegen, wo auch er Seligkeit getrunken. In seiner Eremitage nun kein
Einsiedler mehr, umschwebten ihn Berlins edle Frauen, beim Frührot böten sie
aus der Krystallschale ihm den Morgentrank und wenn die Königin des Tages hinter
die Berge sinke, sollte den Dichter einlullen die Harmonie ihrer Silberstimmen.
Dies Glas leere er auf Berlins schönere Hälfte.«
    Unter dem Gläserklang der Herren, unter den Verzückungen der Damen war
Adelheid aufgestanden. Den Wink der Geheimrätin hatte sie nicht bemerkt. Ihre
Augen gegen den Plafond gerichtet, tönte ihre metallreiche Stimme durch den
Saal: »Aber die Sterne oben sind nicht stumm, sie tönen, im Festsaal des Ewigen
kreisend, die Sphärensprache der Harmonie, und der Geweihte versteht sie. Der
blasse Geweihte, der am Schmerzenslager überwindet, der Geweihte, dessen Stirn
die Freude des Sieges rötet, und er der Geweihte, der der Aeolsharfe ihre
Klagetöne abgelauscht, den Vögeln ihren Gesang, er, der die summenden Stimmen
der Völker versteht, Phöbus geweihter Priester hört den Gesang der Sterne -«
    »Mamsell, der Salat!« flüsterte Johanns zitternde Stimme, aber er getraute
sich nicht mehr den Napf zu tragen. Die Geheimrätin war beim Anfang der Tafel
wieder umgestimmt worden, denn die Stimmung der Gesellschaft war entschieden für
den Dichter, und die Lupinus teilte nicht die Besorgnis des Generals. Im
Gegenteil schien ihr eine derartige Manifestation jetzt ein Ehrenpunkt. Aber
Jean Paul hatte ihr bei der Tafel gar keine Aufmerksamkeit erwiesen. Er
schwärmte in eigenen Gefühlen, seine Komplimente waren nur an ihre Tochter
gerichtet. Sie wollte es ihn empfinden lassen, und ihre Lippen hatten sich zu
einigen spitzen Worten gespitzt, die mit dem Stichwort schließen sollten, auf
welches Adelheid einzufallen hätte, als diese unerwartet, gegen die Verabredung,
von einem Impuls sich hinreißen ließ. Unglücklich fügte sich auch hier alles,
der kranke Johann stotterte zur Linken die Worte, während einer der sogenannten
»Ausgestopften«, das heißt der gemieteten Lakaien, ihr zur Rechten den
Salatnapf überreichte. Es war derselbe Lakai, dessen funkelnde Augen sie vorhin
erschreckt. Adelheid ergriff in ihrer Extase den Napf und statt ihn
niederzustellen, hob sie ihn wie eine Opfervase empor - »und er der geweihte
Priester hebt die Schale
