. Elle est la beauté même et aussi pleine de sagesse.«
    Die Fürstin hatte ihren schönen Arm halb um die Wirtin geschlungen, ihr für
den vergnügten Abend zu danken: »Aber das Beste entziehen Sie mir so lange.«
    Die Lupinus bedauerte, dass der Dichter noch immer auf sich warten lasse;
gewiss sei es ein plötzliches Hindernis, was die Ankunft, der alle Herzen
entgegen schlügen, nur verzögere.
    »Ich kann die Spannung begreifen,« entgegnete die Fürstin, »ob er aber die
Erwartung befriedigen wird! Es kommt sehr auf die Laune an, in der er ist. Aber
ich meine jetzt unsere teure Wirtin, die freilich der Gesellschaft angehört,
und ein einzelner Gast wäre unbescheiden, wenn er mehr fordert, als auf seinen
Teil ihm zukommt.«
    Die Geheimrätin meinte, sie habe nicht den Andern im Lichte stehen wollen,
und besonders vor Einem, nach dem Alle unwiderstehlich sich angezogen fühlten.
    Ohne auf das Bittere zu achten, was sich dem Kompliment unwillkürlich
beimischte, sah mit einem innigen Blick die Fürstin sie an: »Wozu diese
Gemeinplätze zwischen uns! Sie sind eine Märtyrin und Ihr ganzes Leben ist ein
Opfer. Ich weiß ja alles und ich betrachte mit einer bewundernden Teilnahme Ihr
stilles Wirken der Resignation. Was kann Ihnen diese Gesellschaft sein? Sind Sie
nicht mit sich selbst, mit Ihren Büchern in einer besseren? Und alle diese
Embarras nur um Andern Freude zu machen!«
    Die Lupinus protestirte dagegen. Sie kannte die Fürstin noch zu wenig. Sie
wusste nur, dass sie vertrauten Umgang mit Elise von der Recke gepflogen, dass die
Jünger der romantischen Schule bei ihr Zutritt hatten, man sagte auch, dass sie
der katolisirenden Richtung dieser Schule huldige. Sie antwortete mit der
Banalphrase, dass Andern Freude bereiten selbst Freude schaffe.
    Die Fürstin streifte darüber hinweg, wie über ein etwas, was keiner
Erwiderung bedurfte. Aber es lag keine Beleidigung in ihrem Blick.
    »Ihr ganzes Opferleben fühl' ich in mir selbst wieder,« sprach sie, sich in
die Ottomane zurücklehnend, auf der Beide in einer Nische Platz genommen. »Ich
fühle es wieder, obgleich mir, was die Welt ein glücklicheres Los nennt,
beschieden war. Der Fürst, mein Gatte, verstand mich, ich verstand ihn. Ich
brauchte nicht ängstlich vor der Welt den Schirm vorzuhalten, damit man seine
Schwächen nicht gewahre. Er war kein eminenter Geist, kein Gelehrter, er liebte
das Leben und trank seine Genüsse, wie den Schaum des Weines, er war was die
Welt nennt, ein vollkommener Lebemann; aber ohne Arg, grade wie er war gab er
sich. Da musste die Vorsehung nach einem kurzen Glück - wozu Elegieen an einem
so
