 und ob sie dann noch gut bleiben wird, wenn
Ihr Rekrutirungssystem durchginge? Um Gottes Willen keine neuen Flicken auf ein
alt Kleid. Draußen Unruhe, aber Ruhe, Ruhe, Ruhe im Innern. Nichts angerührt!
Friedrichs Seele steckt in den Trommeln und den Grenadiermützen so gut als in
dem point d'honneur der Offiziere und der Kanton pflicht der Rekruten. Ich räume
Ihnen ein, ein Etwas muss anders werden, das Verhältnis der Kapitäne mit
Kompagnie zu den Kapitäns ohne Kompagnie. Diese sechshundert Taler, und jene
mit vielen Tausenden, mit Equipagen, Reitpferden, Fourgons, Dienerschaft. Das
schadet der Disziplin. Das muss anders werden. Die Zahl der zu Beurlaubenden muss
den Herrn Kompagniechefs genau bestimmt werden und kein Mann darüber.«
    »Würde diese Bestimmung genügen?«
    »Für jetzt, Herr Major, wenn wir das durchsetzen, können wir zufrieden sein.
Wenn Sie mich nicht verraten wollen, in meinen Ideen gehe ich weiter. Es wird
eine Zeit kommen, wo der Kapitän nichts mit dem Traktement seiner Leute zu
schaffen haben darf, wo sie nur in einem Konnex reiner Disziplin zu einander
stehen. So muss es einst kommen, sag ich Ihnen, aber diese Zeit erleben nicht
wir, vielleicht nicht unsere Kinder. Denn - der Mensch muss nicht zu klug sein
wollen, oder es ist vorüber mit aller Autorité.«
    Der General ging.
    »Eine aus lauter Preussentum konzentrirte Säure!« sagte der Major.
    »Und doch immer noch einer der bessern,« entgegnete der Rat. »Er wird sich
auch, wenn es gilt, in seiner verrosteten Rüstung noch mit einem gewissen
Geschick rütteln.«
    »Was hilft's den Andern!« rief der Major, der sich in den Armstuhl mit einem
Schmerzensseufzer niederwarf. - »Ist dies die Haupstadt des großen Genius, von
dem das Licht nicht über sein, nein, über unser Aller Deutschland aufging!
Deutschland glaubt wenigstens noch, dass es hier hell sei; es ist der Anker, an
den seine letzte, schmerzliche, krampfhafte Hoffnung sich anklammert.«
    »Hat man es Ihnen draußen anders geschildert?«
    »Nein! Aber den Tand, das Spiel und die Eitelkeit hielt ich für die Maske,
unter der der männliche Entschluss, die Vorbereitung zur Tat sich verbirgt. Der
blonde Arminius ließ auch die schönen Römerinnen lange mit seinen Locken
spielen. Mit dieser Selbsttäuschung reiste ich durch Ihre Provinzen. Es sieht
knöchern aus, überall ausgewaschene Kleider, schlotternde Glieder, eine
Maschine, die klappert. Der Geist nur kann das zusammenhalten, tröste ich mich;
der Nimbus um Friedrichs Thron flimmert noch in so wunderbarem Flammenglanz von
fern gesehen. Und nun hier zur Stelle! Aus Kreisen in Kreise, aus
