 bewundere nichts, fuhr er fort, ich
beobachte nur, und mein Facit der Anerkennung ziehe ich erst, wenn ich einen
Mann am Ziele sehe.«
    »Wird er es erreichen?« fragte die Geheimrätin leiser.
    »Wenn Sie mir sagen könnten, was sein Ziel ist, würde ich versuchen, auf die
Frage zu antworten.«
    »Sein Ziel!« - die Geheimrätin sah ihn groß an, aber sie verstummte vor
seinem abmessenden Blick. Mit einem Seufzer sagte sie: »War es denn ein
Verbrechen, in ihm einen Beglücker der Menschheit zu erblicken!«
    »Ein Verbrechen ist Unsinn, und der Wahn, dass Einer für Alle etwas schaffen
könne, eine Torheit. Jeder schafft für sich. Ich weiß nicht, ob der junge
Bonaparte in seiner Jugend wirklich diesem Wahne nachhing, der Kaiser der
Franzosen wird ihn belächeln. Man muss die Menschen kennen gelernt haben, wie
wir, gnädige Frau, um zum Resultat gekommen zu sein, dass, was man so die
Menschheit nennt, nicht wert ist, sein Bestes für sie zu opfern.«
    »Aber mein Gott, für wen soll man sich denn opfern.«
    Der Gast schien es überhört zu haben, oder seine Gedanken hatten
unwillkürlich einen andern Gang genommen; »Es ist zu bedauern, dass die Kaiserin
ihm keine Hoffnung auf Nachkommen gewährt. Eine wahre Zierde ihres Geschlechts!«
    »Sie kennen die Kaiserin Josephine?«
    »Ihre Majestät, Königin Louise, ist gewiss die personificirte Huld und
Schönheit, aber diese Creolin, in der sichtlich noch das tropische Blut pulst,
hat etwas Bestechendes, Fortreissendes. Man muss sie gesehen haben - ach, schon
als Josephine Beauharnais!«
    »Sie kannten sie damals schon?«
    »Es rühmen sich Viele, doch wer kann sagen, dass er sie kennt! Kennt man nur
ihren Einfluss auf den Kaiser!«
    »Sie hat vieles Blutvergießen verhindert.«
    »Sagt man. Wer diese on dit's geschickt auszustreuen weiß, der kommandiert
über Armeekorps. Und Beide, der Kaiser und die Kaiserin, sind darin geschickt,
es fragt sich eben nur wie lange Beide zusammen operiren werden.«
    »Mein Gott, Sie scheinen auch mit den häuslichen Angelegenheiten des
Kaiserpaares vertraut.«
    »Ich lese nur, was Jeder lesen kann, der die Augen auf hat. Will er ein
Reich gründen, was ihn überlebt, muss er einen Sohn haben der ihn beerbt. Wer
arbeitet mit voller Kraft für einen andern Dritten! Was ist ihm der adoptirte
Stiefsohn! Erinnern Sie sich, was die sentimentalen Seelen von ihm hofften,
nachdem er die Revolution besiegt?«
    »Ich habe nie geglaubt, dass Napoleon sich zu einem Monk herabwürdigen
könne,
