 will, kann man es den Leuten nicht überlassen. Es hält
schwer, unseren Ouvriers Geschmack beizubringen.«
    »Frau Geheimrätin erwarten Gesellschaft?«
    »Eine ganz kleine. Sie wissen, wie die großen, glänzenden mir zuwider sind,
wo Alles auf den Apparat abgesehen ist, und Geist und Herz sich verstehen
müssen.«
    »Man spricht schon in der Stadt von Ihren geistvollen Cirkeln.«
    Die Geheimrätin zuckte die Achseln: sie möchte wünschen, dass man weniger
davon spreche, man könnte sein Haus doch auch nicht für Jedermann offen halten.
Dennoch wehrte sie die Elogen schon schwächer ab, als Walter van Asten die
Äußerung einer geistvollen Prinzessin wiederholte, die sich gefreut, dass doch
endlich einmal das Haus eines Offizianten sich der Bildung und Kunst
erschlossen, da, wer nach Geist und Intelligenz verlangt, sie bis jetzt fast nur
in den reichen Judenhäusern suchen musste.
    Die Geheimrätin lächelte: »Zu gütig von dieser geistreichen Prinzessin. Der
Prinz, ihr Bruder, macht allerdings keinen Unterschied, ob er in der haute volée
oder in den Judenhäusern ist; nur im Schoss seiner Familie sieht man ihn am
seltensten.«
    Die Bemerkungen waren so hingeworfen, dass Walter darin die Aufforderung las,
noch mehr zu erzählen, obwohl ihre Worte dagegen protestirten. Dieselbe
Prinzessin hatte geäußert, es sei doch eine wirkliche Beschämung für unsern
Adel, dass er der Kunst und Wissenschaft und dem Umgange mit den Geistern der
Nation sich verschliesse, die ihre Ehre ausmachen. Da hätte eine Fremde, die
Staël nach Berlin kommen müssen, um ästhetische Zirkel zu bilden, und jetzt
usurpire Prinzess Biron von Kurland, was die Pflicht des einheimischen Adels sei.
    Die Geheimrätin machte einige Bemerkungen über die Herzogin von Kurland,
dass sie sich merkwürdig konservirt habe, schöner eigentlich noch als ihre
Töchter, die doch auch sehr liebenswürdig wären. Aber ihre Gedanken waren wohl
nicht bei der Herzogin, noch den Gelehrten und Dichtern, die sie in ihren Bann
gezogen.
    »Prinzess Radziwill hat auch gefragt, wer denn Schiller gefeiert, als er hier
war? Ebenfalls wieder Juden, Fremde, Diplomaten, einige bürgerliche Häuser.«
    »Ich habe mir Schiller doch anders gedacht,« sagte nach einer Pause die
Lupinus. »Er war so schweigsam. An Ehrenbezeugungen hat es ihm doch wirklich
nicht gefehlt, aber es blitzte so selten das innere Feuer auf. Ich sprach zwei
Mal mit ihm, und beide Mal redete er wie ein gewöhnlicher Mensch. Ob er uns
vielleicht der erhabenen Sentiments, der berauschenden Gedanken nicht wert
hält, die doch bei jeder geistigen Berührung aus einem Geiste wie der seine
aufsteigen, emporwirbeln müssen, denke ich, wie die Lerche in den Äther!«
    »Es ist vielleicht nicht gut, dass
