 spezieller Rücksicht auf die Männer und erprobten Staatsdiener, denen
Eure Majestät Ihr Vertrauen besonders zuzuwenden geruht. Leider steht die
betreffende pflichtvergessene Person durch entfernte Verwandtschafts-und frühere
gesellschaftliche Bande mit einem oder einigen dieser gedachten Männer in einer
gewissen Relation, und es ist gewissen ihrer Feinde und Neider eine willkommene
Aufgabe, aus diesem zufälligen Annex Verdächtigungsgründe zu schöpfen, ich
wiederhole es, gegen Männer, die der Verdacht nicht berühren kann, weil ihr
Charakter und ihr Verdienst von Euer Majestät gewürdigt sind. Desto mehr wird es
zur Pflicht, gerade im Interesse des Trones, auch vor dem Publikum diese Männer
zu schützen. Eure Majestät können ihnen keine willkommenere Rechtfertigung
gewähren, als wenn Sie das Recht, und nur das Recht walten lassen. Was ist ein
Staat ohne Moralität seiner Bürger, was eine Monarchie, wo der Beamte nicht in
Unbescholtenheit und sittlicher Würde wenigstens nachzueifern strebt, dem
erhabenen Exempel, welches sein Oberhaupt dem Lande und Volke täglich gibt.
    »Wunderschön!« Es entfuhr unwillkürlich den Lippen des Geheimrats und er
steckte das Konzept in die Brusttasche. »Die Excellenz wird sich wenigstens
eingestehen müssen, dass sie Räte um sich hat, die auf ihre Ideen einzugehen
wissen. Das kann man auch dem Herrn von Stein unter die Nase halten.«
    Welcher Glanz leuchtete auf der Stirn des Ministers. St. Real stand hinter
dem Lehnsessel und wiegte sich in Wohlbehagen, während der Hausherr auf und ab
ging. Als er den Geheimrat eintreten sah, hielt er ihm die Hand entgegen:
»Wissen Sie schon, Bovillard?«
    »Nichts, Excellenz, als dass Ihre Ansichten mich überführt haben.«
    »Lassen Sie sich's von St. Real sagen.« Er warf sich in den Fauteuil,
überschlug die Beine und rieb die Hände.
    »Seine Majestät haben in Gnaden die Anstellung des Herrn von Stein
abgelehnt.«
    »Stein wird nicht Finanzminister,« wiederholte der Minister.
    »Da fällt uns also ein Stein vom Herzen!«
    Bovillard's Bonmot, so leicht es war, fand empfängliche Herzen. Gut, dass
kein Lauscherauge in den Pavillon drang. Es hätte Mienen, Bewegungen und Gesten
gesehen, schwer verträglich mit der ministeriellen Autorität eines Grossstaates.
Nur der Geheimrat hatte rasch eine Flasche entkorkt, um ein Glas
hinunterzustürzen, aber die Physiognomien erinnerten einen Augenblick an die
faunischen Gesichter, welche Rubens' Pinsel so unvergleichlich auf die Leinwand
warf. Belauschte Augenblicke der kanibalischen Natur im Menschen, die nun ewig
geworden sind durch die Kunst. Wenn Jemandem, wem darf man es weniger verargen
als einem Staatsmann, wenn er im unbelauschten Augenblick die geglättete Maske
fallen lässt, um einmal wenigstens in der ursprünglichen sich vor sich selbst zu
sehen.
    »Nun heraus! Wie war
