. Dankmar rauchte.
Hackert schickte sich zum Schlafen an. Der Fremde sah auf die Gegend und notirte
sich zuweilen Etwas, was ihm plötzlich einzufallen schien, in einem kleinen
zierlichen Buche. Das dauerte so fort, bis er hinter einem Dorfe, das sie wieder
zurückgelegt hatten, Namens Helldorf, zu Dankmar sagte:
    Da sind wir jetzt in einem Lande, wo ja mit einem Fürsten, wie wir vorhin
sagten, reiner Tisch gemacht worden ist! Es ist wahr, es lebt sich darin nach
wie vor. Die Menschen gehen und wandeln, die Bäume tragen schwer an den Ästen,
die Ernte ist reif, das Gras schon zum zweiten male gemäht. Es hat sich nichts
verändert.
    Wo wären wir denn da? wandte sich Dankmar um.
    In dem Fürstentume Hohenberg, sagte der Fremde; hier beginnt die kleine
Herrschaft, die so verschuldet ist, dass selbst eine Lotterieanleihe sie nicht
mehr retten konnte. Heben Sie den Glanz und das Glück der kleinen Herrscher auf
und sie gehen von selbst.
    Und die großen? fragte Dankmar, der nicht abgeneigt schien, das begonnene
Gespräch fortzusetzen.
    Halten Sie es für möglich, sagte der Fremde, unbekümmert um den in
politischen Dingen schweigsamen und nun schlafenden Hackert; halten Sie für
möglich, dass jemals Staaten wie Preußen, Österreich, Bayern ganz aufhören
können? Diese Sondergeschichte ist nicht auszulöschen und in den Fürsten
erhalten sich die Erinnerungen der Völker und werden durch sie getragen.
    Dankmar antwortete ironisch:
    Ich bewundere, wie Sie glauben, die Hebel der Gesellschaft, die Organe der
Menschheit in Bewegung setzen, neue Sitten, neue Gesellschaftsformen bilden zu
können und doch an dem Bestande von Dynastieen wie an etwas Ewigem haften! Wie
gern auch söhnt' ich mich mit diesem Bestande aus, wenn ich darin nur die
Fortbildung unserer Freiheit gesichert sähe! Wissen Sie, was mir durch diese
Monarchieen allein gesichert scheint? Ein Übel, das mir noch gefährlicher dünkt
als die von Ihnen gerügte allgemeine Genusssucht. Es ist Dies die allgemeine
persönliche Eitelkeit, begründet auf eine durchgreifende Erniedrigung des
Menschengeschlechts. Wir hörten ja gestern vom Reubunde. Wie erscheint der
Ihnen?
    Ein wenig lächerlich, war die Antwort.
    Mir scheint er gefährlich, sagte Dankmar. Gefährlich deshalb, weil er mit
einigen guten Eigenschaften des civilisirten Menschen ein unverantwortliches
Spiel treibt. Liebe und Hingebung sind himmlische Tätigkeiten der menschlichen
Seele, aber sie haben ihre Grenzen. Sagen Sie selbst, ob nicht in jener
Monarchie, zu deren Erhaltung und Unterstützung der Reubund gestiftet wurde, das
eigentliche Hindernis freier Entwickelung die tief in den Institutionen und den
Erinnerungen des Volks wurzelnde Eitelkeit das Hindernis der wahren Freiheit
ist? In diesem Staate entwürdigt sich der Mensch als Gattungsbegriff, um sich
als bürgerliche Person hochzustellen. Das
