, weil er es wirklich einmal war,
längst aber in einen höheren Bildungsstand übertrat und nur die alte Weise
beibehielt, um den Arbeitern näher zu stehen und ihnen Vertrauen zu erwecken.
Nach einigem Bedenken entgegnete er:
    Ich habe lange Zeit, um den gewaltsamern radicalen Mitteln zur Besserung der
Welt auszuweichen, mich mit diesen linderen beschäftigt, die Sie andeuten. Oft
habe ich mir die Menschheit als einen kranken Organismus gedacht, wo der rasche,
vielbeschäftigte und ungeduldige Arzt sogleich Eisen und Feuer verordnet, der
tieferblickende, wohlwollende und prüfende aber nur eine Umstimmung der
Functionen. Wenn ich dann aber zuletzt doch sah, dass zur Umstimmungsmetode
Jahrhunderte gehören würden und vor allen Dingen solche Staatsformen, wie wir
sie eben von dem Status quo nicht erlangen können, so bin ich immer wieder
darauf zurückgekommen, dass wir bei der alten Methode der Französischen
Revolution, bei der Zerstörung des Feudalstaats, zur Zeit noch leider müssen
stehen bleiben. Wir müssen - es hilft doch nichts - nivelliren. Die Fürsten und
der Adel müssen durchaus dem Vorrecht des Bluts entsagen, der Begriff der Gewalt
muss in die Souverainetät des Volks gelegt werden und alle bisherigen Stützen der
Macht in den Dienst der neuen Staatskräfte treten. So nur finden wir Zeit und
Gelegenheit, jene größeren, anfangs vielleicht nationalen Naturprocesse
durchzumachen, die in der Triebkraft aller solcher Völker liegen, denen die
Geschichte die Einwurzelung in ihre Heimatlichkeit und den Glanz und die Größe
dieser Heimatlichkeit raubte. Dann können nach den nationalen Wiedergeburten die
Völker jene noch größeren Beglückungen der Gesellschaft anbahnen, die in einer
veränderten Gliederung des Menschengeschlechts überhaupt liegen und in jenen
Neuerungen, die Sie andeuten. Ich verkenne keineswegs, wie gefahrvoll die
Entwickelung jener Zustände ist, die man die Herrschaft des Volks, Demokratie,
nennt. Allein die Reformation hatte auch ihre Bauernkriege, ihre
Bildersturmexcesse und ihre Wiedertäufer. Ihr besserer Kern erhielt sich und
ließ nicht einmal dasjenige Gute verkennen, das auch in jenen gräuelvollen
Misverständnissen noch teilweise lag. So muss es auch mit der Demokratie werden.
Oder glauben Sie wirklich, dass unter der Alleinherrschaft der Könige das Alles
sich ausführen lässt, was Sie sich unter der Heiligung der Arbeit gedacht haben?
Ich glaube an die Monarchie, als an eine in der menschlichen Natur begründete
Staatsform; aber die edle ideelle Monarchie ist die Monarchie der Zukunft, nicht
die der Gegenwart. Mit der Monarchie der Gegenwart, die sich aufs Mittelalter,
auf den Adel, das Militär, die Beamten, die gottbegnadete Berufung stützt, ist
nichts Derartiges anzufangen, wie Sie sich's als heilsam denken. Blicken Sie um
sich! Die deutschen Fürsten haben plötzlich aus der demokratischen Frage eine
nationale und nun aus der nationalen gar eine Kabinetsfrage gemacht! Dynastie
wetteifert mit Dynastie, und die alten
