 aufbieten, allmälig wieder die Zügel in die
Hand zu bekommen und der Politik eine solche Wendung zu geben, bis sie wieder
auf ihrem Lebenstermometer, auf dem Kourszettel das Quecksilber der Rente auf
dem Grade sehen, wo es in den Tagen stand, wo ein Bankier auf dem Throne
Frankreichs saß.
    Fügen Sie aber noch Etwas hinzu, sagte Dankmar, ergriffen von der wahren
Schilderung dieses gebildeten Mannes, der ihm plötzlich wie verklärt vor Augen
stand .... Fügen Sie noch Eins hinzu! Das Unglück der Welt verschuldet Paris
auch dadurch, dass das Prinzip der Genusssucht dort auch Die ergreift, die eine
Zeitlang im Dienste der Ideen gestanden haben. Möchte man, wenn man sieht, wie
dort die Dinge jetzt gehen, nicht glauben, alle diese tonangebenden Charaktere
wären nur so lange ehrlich und heldenmütig, bis sie sich eine Stellung erobert
haben und an der Quelle der Gewalt sitzen? Dann schöpfen sie diese Quelle rasch
ab. Sie ahnen, dass ein Windstoß morgen sie wieder ins Nichts stürzen kann. Nun
soll es im Fluge gehen, dass sie sich bereichern und dem steilen Felsen der
Existenz einen californischen Goldklumpen fürs ganze Leben abgewinnen. Nun wird
gelogen, betrogen, die alte Gesinnung Lügen gestraft. So kamen die Heerführer
der Franzosen einst als Herolde einer neuen Zeit, und diese alten Republikaner
waren nur beutesüchtige Genussmenschen, die für ihr Alter Vorräte sammeln
wollten. So haben jetzt in Paris alte Demokraten conservative Bedenklichkeiten,
ja sogar junge Wüstlinge, Spieler von Baden-Baden, die mit einem kindischen
Napoleoniden in Strasburg und Boulogne eine Emeute versuchten, die durch
Teatercoups lächerlich wurde, sprechen jetzt vom Jahrhundert, von der Mäßigung,
von der Philosophie des Bestehenden, von der Grenze der Freiheit. Nein! Die
Genusssucht ist ihre wahre Philosophie. Ihre Maitressen sind die wahren Egerien
dieser neuen, meist militairischen Numas in roten Hosen.
    Der Wanderer in der blauen Blouse nickte beifällig. Dankmar ersah daraus,
dass er auch feinere Anspielungen vollkommen verstand.
    Welche Mittel gibt es aber dagegen? fragte der Wanderer, dem auch Dankmar zu
gefallen schien.
    Ich sinne täglich darüber nach. Wo soll man die Besserung suchen?
    Ich finde sie in der Heiligung der Arbeit, sagte der Fremde nicht ohne
Feierlichkeit; in der alleinigen Bekränzung Dessen, der sich beschäftigt und
reelle Werte erzeugt. Es gibt zu viel Geistesarbeiter und zu wenig wahre
Handarbeiter. Die Handarbeit muss in den Vordergrund aller unserer politischen
Beziehungen treten, ihr müssen die größten Belohnungen zufallen; denn nur durch
die spartanische Erziehung der Menschen zur Arbeit kann sie von Grund aus
gebessert werden. Ich bin kein Socialist. Ich werfe gerade den Kommunisten vor,
dass sie die Arbeit viel zu sehr als eine Last, als einen Fluch hingestellt
haben, als
