 Ich kenne
die Bedürfnisse der Arbeit, ich achte den Handwerker und fühle mit ihm. Es muss
viel, viel geschehen, um ihn besser zu stellen, als dies bisher der Fall war.
Aber höher noch, als der Arbeiter, steht mir die Arbeit selbst. Die wird nicht
genug geehrt, die nicht heilig genug gesprochen. Und was anders kann uns von
unserm Elend wahrhaft erlösen als die Arbeit? Die Arbeit, bester Dankmar, die in
ihre Rechte, in ihre Würde eingesetzt, und das hohle Treiben der Leidenschaften
hört auf. Ich bin streng, ich habe die Theorie nicht der Menschenrechte, sondern
der Menschenpflichten. Alles will mit der Geburt Ansprüche erworben haben auf
ein Utopien von Glück und Freiheit. Niemand lehrt, dass uns die Geburt darauf
anwies, das Recht, ein Mensch zu sein, durch die Arbeit zu verdienen. Ist diese
Lehre erst allgemein, dann wird auch die Gelegenheit, die uns wurde, geboren zu
werden, als eine Quelle des Glückes und der Freude erkannt werden. Freilich
fühl' ich, dass ich mit dieser Lehre allein stehen würde, wenn ich nicht
versuchte, mit ihr in die großen Debatten unserer Zeit mit einzugreifen.
Schriftliche Darstellung gelingt mir nicht, die mündliche müsste eine Tribüne
haben. Ich glaube, dass ich, von einem Gegenstande gedrängt, ein Redner sein
könnte. Ein übervolles Herz ist ja das erste Bedürfnis eines Redners, und ich
glaube, ein solches übervolles, zum Sprechen drängendes Herz besitze ich -
    Die Tribüne ist da, sagte Dankmar, als Egon stockte. Lass' dich in eine
unserer deutschen Kammern wählen! In die hiesige!
    Dass ich noch mehr in der Welt Gegenstand des Spottes würde? bemerkte Egon
zögernd.
    Der Gegenstand des Spottes? wiederholte Siegbert und begriff diese
Zaghaftigkeit nicht.
    Die Welt kennt meine Geschichte, sagte Egon. Ich bin auf manche Bosheit
gerüstet, die mir die Gesellschaft in den Weg legen wird.
    Siegbert lehnte eine solche Besorgnis gänzlich ab. Man kenne, sagte er, des
Prinzen abenteuerlichen Lebenslauf und fände ihn allgemein so interessant, dass
man ihn nur mit der größten Aufmerksamkeit begrüßen würde.
    O, sagte Egon, da haben Sie doch die exclusive Gesellschaft noch nicht weg.
Ich habe ein Attentat gegen die Aristokratie der Geburt begangen. Schon längst
nennt man mich vielleicht einen Kommunisten. Ich fühle vollkommen das
Lächerliche, das meine Vergangenheit vor der Blasierheit dieser Stände haben
wird ....
    Nein, sagte Siegbert mit großer Wärme, Das muss ich unbedingt bestreiten. Ich
bewege mich in dieser Sphäre und kann wohl sagen, die Zeiten haben sich auch
hier gewaltig geändert. Es ist ein Drang auch im Adel entstanden, seine
Notwendigkeit durch ein ideelles Eingreifen in die Zeit zu beweisen
