 seinen
Schrein zurück. Die Natur jedes polemischen Gedankens, der sich durch
Gleichgesinnte stärken soll, bedingt die geheime Bewahrung. War das Christentum
nicht anfangs eine Lehre, die bei geschlossenen Türen bekannt wurde? Wohl uns,
wenn unsere Geheimnisse so große Zeugnisse für uns ablegen, dass der Bund immer
größer, immer umfassender wird und endlich alle Menschen aufnimmt. Einer
verwilderten Menschheit kann nicht anders geholfen werden, als dass Die, die das
Bessere wollen, bei Seite treten und dem großen Haufen zurufen: Sondere sich ab,
wer wie wir fühlt und denkt!
    Und noch Eins, fiel Egon ein, der noch immer ungläubig blieb, überlegst du
wohl, lieber Freund, woher die Jesuiten und, soviel ich weiß, auch die
Freimaurer, ihre eigentliche Kraft nehmen? Aus dem Gelde! Freimaurer sind nur
wohlhabende Leute und die Jesuiten sind an Gütern so reich ausgestattet und
werden noch täglich so reich damit gesegnet, dass die Gedanken dort auch
ermunternde und nachhelfende materielle Hebel haben. Diese alten Brüderschaften
des Mittelalters waren unglaublich reich. Sie hatten gut entsagen und die
christliche Kommünauté lobpreisen! Die Brüder und Schwestern vom freien Geiste
lebten nicht vom Geist allein, sondern ihr Geist war so frei, sich es auch an
irdischer Speise nicht fehlen zu lassen. Die Kalandsbrüder, die ich nannte,
diese mittelalterlichen Freimaurer, die an jedem Kalandstage, dem ersten des
Kalenders, monatlich zusammenkamen, um unter religiösen Formen gut zu essen und
noch besser zu trinken, hatten Häuser, Liegenschaften, Zollgefälle. Die große
Elbbrücke in Dresden warf ein Jahrhundert lang den grauen oder Kalandsbrüdern
auf der dortigen Brüdergasse den Brückenzoll ab. Von den großen Reichtümern der
geistlichen Ritterorden zu schweigen! Die Templer waren so reich, dass sie ihre
große Aufgabe unter Schwelgereien vergaßen und von Philipp von Frankreich, der
ihre Güter besitzen wollte, mit Feuer und Schwert vertilgt wurden. Die
St.-Johanniter und Deutschherren haben noch einen Überfluss von Gütern und
Liegenschaften und Sinekuren ....
    Sinekuren! unterbrach ihn Dankmar lächelnd. Das ist das rechte Wort! Will
mein Bund sich erhalten, so haben wir durch diese Parallele wenigstens schon Das
gewonnen, dass wir nicht zuviel Geld haben dürfen, nicht so viel, um sine cura
für die Hauptsache sein zu dürfen.
    Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig! sagte Egon.
    Gerade so viel, als man für den Anfang braucht! erwiderte Dankmar lächelnd
mit einer eigentümlichen Bestimmtheit.
    Bester Freund, wo käme aber auch das Wenige her? Die Männer von Gesinnung
sind arm!
    Richtig! Deshalb brauchen wir etwas Geld. Etwas! Nicht viel, aber auch nicht
zu wenig!
    Egon lachte über Dankmar's sonderbare finanzielle Ruhe ...
    Das ist komisch, sagte er,
