 alten, wie
Schlinggewächs wuchernden Unbilden werden von selbst verdorrt und
zusammengefallen sein.
    Egon schwieg nachdenklich.
    Louis Armand aber und Siegbert waren ergriffen und schenkten diesem Gedanken
ihre volle, laute Zustimmung.
    Nur das Eine erlaubte sich Louis zu bemerken:
    Werden Sie uns dadurch nicht eine neue Aristokratie stiften? Die
Aristokratie des Geistes, die vielleicht nicht so schlimm wie die der Geburt,
aber doch sicher eben so lästig werden kann wie schon die des Geldes ist?
    Dankmar lehnte diese Befürchtung ab.
    Der befreiende, erlösende, verständigende Geist, sagte er, wird niemals der
der Gelehrsamkeit sein. Die Brüder des neuen Bundes beschwören gewisse Begriffe,
für die sie wirken müssen. Diese Begriffe sind einfach wie das Licht der Sonne.
Sie sollen keinen andern Beweis für sich haben, als dass sie erhellen und
erwärmen. Sie sollen die Möglichkeit erleichtern, dass gleiche Gesinnungen sich
durcheinander stärken. Sie sollen dem großen Kampfe der Zeit den starken
unüberwindlichen Phalanx der Übereinstimmung geben. Sie sollen die Fahne
aufstecken, unter der sich die Gleichgesinnten rasch und ohne langes Ergründen
und furchtsames Ausforschen versammeln. Warum erkennen sich denn überall die
Jesuiten? Warum müssen es die Freimaurer? Warum sollen sich nicht auch rasch die
Männer von gleicher Denkungsart über die wahre Aufgabe unsrer Epoche erkennen?
Ich weiß, dass sich Lüge und Verstellung auch in meinen Bund schleichen wird.
Allein unter den Mördern, die Jesuiten gedungen haben, hat der Jesuitenorden bei
den gläubig Katolischen selbst nichts gelitten; unter vielen herumziehenden
Lumpen und Bettlern leidet die Maurerei an sich ebenfalls nicht: was können
Verräter da tun, wo es sich nicht um verabredete Unternehmungen, verabredete
Taten, sondern lediglich um eine feste, ihre Aufgabe von selbst begreifende
Gesinnung handelt?
    Ich wäre schon einverstanden, sagte Egon, wenn der Bund, von dem du wirklich
sprichst, als wäre er schon gestiftet, nur kein Geheimbund wäre.
    O wohl, lieber Egon, rief Dankmar in hoher Erregung, wohl, er ist schon
gestiftet; denn alle Welt sehnt sich nach diesem Bunde. Nur die gesinnungslosen
Menschen und die Tyrannen haben nicht das Bedürfnis, sich durch die
Übereinstimmung mit den Gleichgesinnten zu stärken. Wer in dieser Welt lebt und
denkt, wer da fühlt, dass er, um sein Teuerstes zu sichern, nicht der
materiellen Mittel allein bedürfen möchte, der steht schon an der Pforte meines
neuen Tempels und begehrt Einlass. Und Geheimes haben wir nichts, wenn wir auch
geheim uns halten wollen. Wir werden einen Ritus der Aufnahme haben, uns aber
nur auf Wahrheiten verpflichten, die allgemein bekannt sein dürfen. Das Kleinod
liegt eine Zeitlang in einem Schrein und wird herausgenommen, offen zur Schau
getragen, Allen gezeigt, wenn es Zeit ist. Nachdem es glänzte, geht es in
