
Kraft des Einzelnen stärkt? Ein jeder Bund dieser Art sollte die Aufgabe haben,
einst der Bund der ganzen Menschheit zu werden. Ich sehe keine Möglichkeit, dass
die Hebel der Geschichte, die jetzt im Großen und Offenen wirken, das Glück der
Erde fördern können. Wohin sollen diese Staatenumwälzungen, diese Intriguen der
Parteien, diese Leidenschaften führen? Nirgends eine Verständigung über das
Prinzip des Streites, nirgends eine freie, freudige Unterordnung des Einzelnen
unter das Allgemeine. Ich sehe nicht ab, was uns anders retten kann, als gerade
mitten in dieser Epoche der breitesten Verallgemeinerung, wo Alles erkaltet
auseinanderfällt, das enge, die behaglichste Lebenswärme ausströmende Isoliren.
    Das hast du vortrefflich gemacht, Dankmar, sagte Egon, als Dankmar mit
seiner begeisterten Rede zu Ende war. Ja, ja, so ist's! Aber da müsste ein neuer
Messias kommen!
    Ein einzelner Mensch kann in unsern Tagen nicht mehr ein Messias sein, sagte
Dankmar. Die Ideen sind es, die jetzt als Erlöser und Propheten auftreten. Die
Menschheit selbst muss sich Messias sein. Die Menschheit als Menschheit ist
verloren, sie kann nur durch einen Bund wieder sich selbst gerettet werden.
    Einen Geheimbund? fragte der Fürst zweifelnd.
    Durch einen Geheimbund! sagte Dankmar.
    In der Form des Jesuitenordens? rief Egon. Nein, nein! Ich hasse Alles an
den Jesuiten, ihr Inneres und ihr Äußeres. Doch sag' uns, was du denkst.
    Louis und Siegbert hörten mit großer Spannung.
    Dankmar rüstete sich seine ganze Meinung zu sagen.
 
                                Zwölftes Kapitel
                             Die Ritter vom Geiste
Ich denke, begann Dankmar, dass man etwas erfinden muss, um den großen Prozess des
Zeitalters abzukürzen. Welche verlorenen Worte! Welche geopferten Anstrengungen!
Alles rennt durcheinander, Alles leidet an der schon unmöglichen nächsten
Verständigung! Die Einzigen, die da wissen, was sie wollen, sind die Jesuiten
und die Freimaurer. Jene verfolgen in ruhiger Konsequenz, unbekümmert um die
jeweiligen Störungen ihres sichren Friedens, das Ziel, die Menschheit in den
Fesseln kirchlicher Abhängigkeit zu erhalten. Diese, ihr schnurgerades
Widerspiel, sind nicht ganz so friedfertig und still, wie sie sich das Ansehen
geben. Wo sie nur können, suchen auch sie ihrem Ziele den Weg zu bahnen und dies
Ziel wird wohl die Freiheit des Menschen von jeder positiven Bevormundung und die
Ausbildung einer reinen Humanität sein. Ohne Zweifel ist diese letztere Aufgabe
eine brave, aber viel zu allgemeine. Wenn man immer und immer von der Menschheit
spricht, verliert man den Menschen selbst aus dem Auge, und wenn man sagt, die
Besserung der Welt finge damit an, dass man sich selbst bessere, so artet eine
solche Lehre notwendig in Trägheit, Sorglosigkeit, Genusssucht aus, die ja
bekanntlich auch
