. Ihm freilich waren die alten Templer nur in dem verklärten
Märtyrerglanze erschienen, wie sie auf dem Bilde seines Bruders strahlten.
Schlurck sprach zwar auch in seiner Weise hochachtend über sie. Diese war aber
für ihn eine geringschätzende. Endlich gewann ihm Das, was Schlurck über den
Reubund gesagt hatte, ein lebhaftes Interesse ab. Hinter dem Spotte des
Justizrats lag ein gewisser Ernst, dessen einschmeichelnde Macht er nicht
zurückweisen konnte. War die Zeit von Ideen nicht wirklich bis zur Armut
verlassen? Schmachtete sie nicht nach Taten des Geistes und neuen
Offenbarungen? Einen Augenblick überkam ihn der Gedanke: Wie, wenn du in diesen
von der Regierung geduldeten Modebund trätest und ihn zu deinen Ansichten
herüberleitetest! Wie, wenn Das, was ein Bollwerk des Absolutismus sein soll,
eine Schutzmauer des Kampfes gegen ihn würde? Hatte er neben sich in Hackert
einen Ausnahmemenschen, dessen Zustand auf dunkle Nachtseiten der Natur führte,
so war ihm auch das Ordenswesen plötzlich eine geheimnisvolle Nachtseite der
Gesellschaft und er konnte nicht umhin, sich selbst zu sagen: Wer sieht schon
jetzt die ganze Reihenfolge Dessen ab, was Alles im Menschen- und Völkerleben
als Keim zukünftiger Entwickelungen liegt? Kein sterbliches Auge verfolgt die
schlummernden Möglichkeiten. Wer ahnte einst die Gestaltungen, die nun voll und
kräftig in der Gegenwart reifen? Wer verfolgt die Wege, die sich tief im Schoss
der Erde der Maulwurf des Weltgeistes gräbt? Welche wunderbare Entwickelung
hätte der Tempelherrnorden nehmen können, wenn ihn vereinte weltliche und
geistliche Macht nicht unterdrückt und aus der Wettbahn der Kräfte, die das
Mittelalter stürzten, hinausgedrängt hätte? Die Päpste bereuten später bitter
genug, dass sie im französischen Exil, abhängig von der Willkür französischer
Herrscher, den Templerorden aufgehoben hatten, diesen gewaltigen Arm, der ihnen
nach dem Verluste des heiligen Grabes und einer veränderten Bestimmung des
Ordens im Herzen der weltlichen Gewalt die Waffe hätte führen können, die ihnen
später erst das Gift und die Intrigue des Jesuitenordens wurde! Dreissigtausend
Tempelherren hätten - Philipp der Schöne fürchtete es - bewaffnet in Frankreich
allein gegen die Ausbildung der weltlichen Tyrannei auftreten können, und was
wäre es denn auch für ein Unglück gewesen, wenn immerhin der Geist eines
Innocenz des Dritten über den weltlichen Supremat gesiegt hätte? Es früge sich,
ob wir uns nicht besser ständen, wenn der Monarchismus in der absoluten Weise,
wie er jetzt auf den Völkern Europas lastet, im teokratisch regierten Europa
niemals sich hätte entwickeln können? Es früge sich, ob wir nicht durch die
Kirche, die doch allein die Bewahrerin der Bildung geblieben ist, trotz ihrer
teilweisen Verfinsterung doch wohl zu größerer Wahrung unserer Menschenfreiheit
gediehen wären, als durch den Staat, der uns Revolutionen über Revolutionen
brachte und jetzt erst recht im neunzehnten Jahrhundert begonnen hat, ohne alle
Rücksicht
