 finde keins, das in den Verhältnissen und in den
Dingen liegt. Jeden klugen Einfall überbietet gleich ein noch klügerer. Alles,
was Weisheit scheint, ist sogleich schon List. Ich suche einen Ausweg und finde
ihn nur in dem Menschen und seiner eigenen freien Beschränkung. Geb' uns Einer
die und gesegnet sei sein Name in Ewigkeit!
    Amen! Amen! fiel Egon eben so feierlich ein. Der Thomas a Kempis hier neben
uns tut schon seine Wirkung. Wir blicken gen Himmel und verlangen Wunder. Die
Menschen! Eigene freie Beschränkung! Großer Gott! Wildungen, ist dir's noch nie
klar geworden, dass die Menschen Bestien sind? Nur wer gearbeitet hat und sich
dann ausruhen will, ist gutmütig. Der fleißige Mensch ist ein Kind. Wenn ich
Sonntags auf der Chaumière mit Louison und ihren Freundinnen tanzte, dünkten wir
uns Götter, und alle Die hatten Teil an diesem bescheidenen irdischen Himmel,
die ihre sechs Tage Arbeit hinter sich hatten. Die aber, die in die Klubs liefen
und Zeitungen lasen, saßen mürrisch und tranken mehr Wein, als sie bezahlen
konnten. Louis Armand sagt zwar, die Verfassung der Erde müsse nur auf die halbe
Pflichterfüllung begründet werden, sonst wäre dies Dasein eine Hölle. Das
bestreit' ich ihm und verweis' ihm oft, wenn er statt zu arbeiten Verse macht
und Aufsätze über das Loos der arbeitenden Klassen schreibt und mehr träumt als
er sollte.
    Ist Das nicht aber auch eine Arbeit, dies notwendige Träumen? fragte
Dankmar, der die Verse: Des Volkes Tochter, arme Bettlerin! von seinem Bruder
kannte.
    Die man nicht überwuchern lassen darf! antwortete Egon. Alles drängt sich
jetzt nach geistiger Arbeit und behauptet, die wäre eben so schwer und
anstrengend wie die materielle. Aber ich frage: Wenn Alle Buch führen wollen,
wer wird die Werte erzeugen, die die Feder verrechnet? Nein, Wildungen, sage
Denen, die meine Freundschaft für Louis Armand fürchten, ich bin kein Kommunist!
Aber auch die hier übliche Landespolitik veracht' ich, und wenn mir Gelegenheit
geboten würde, Das zu sagen, was ich denke, würd' ich allerdings den Adel und
seine Aufgabe anders bestimmen, als es diese trägen Drohnen der Gesellschaft
tun.
    Ich darf nicht fortfahren, bemerkte jetzt Dankmar. Ich sehe, wie dich der
Gegenstand ergreift. Glücklich werd' ich sein, mit einem Manne von deiner
wunderbaren Lebenserfahrung einen dauernden geistigen Verkehr zu unterhalten.
Aber für heute geh' ich ... Ich bin es dir schuldig.
    Du hast mich angeregt, nicht aufgeregt, sagte Egon liebevoll. Du wolltest
mir die Aufgabe meines Lebens zeigen und mich auf den Empfang der Welt
vorbereiten. Ich danke dir herzlich dafür.
    Wann
