 ihn in Verlegenheit gesetzt! Ich bin ihm plötzlich
zu hoch gewachsen, zu bedeutend überragte ich ihn!
    Stromer ging mit vieler Förmlichkeit und dankte für die ihm widerfahrene
Gnade.
    Nicht ohne eine gewisse gemachte Empfindsamkeit warf er, als er schon die
Tür in der Hand hatte, noch einen Blick auf die in einer Ecke des Zimmers
aufgestellten mehrfachen Bilder der Fürstin Amanda.
    Als sich Egon nach Louis umsah, trat dieser ausgerüstet mit Hut und leichtem
Stocke herein, um auszugehen.
    Es ist gut, sagte er, dass du nicht zugegen warst, lieber Freund. Eben hab'
ich mich so albern benommen, dass man von meinen geistigen Kräften bald eine sehr
geringe Meinung in Umlauf gesetzt hören wird. Dieser Mann, Geistlicher auf
meinen Gütern, erklärt mir eben, dass er die Absicht hätte, die Feder zu
ergreifen und unsere Literatur zu bereichern. Und statt dies Geständnis freudig
zu begrüßen, statt ihn über die Pläne, die er auszuarbeiten gedenkt, zu
befragen, gebehrd' ich mich wie ein Mensch, dessen Weisheit einem Schriftsteller
gegenüber zu Ende geht.
    Oder vielleicht wie ein geborener Aristokrat! sagte Louis und suchte es
trotz seiner Aufregung noch über sich zu gewinnen, den scherzenden Ton
beizubehalten. So oft ich mit einem Maler zu einem reichen oder vornehmen Manne
kam, merkt' ich immer, dass man die Schaffenden doch ängstlich und befangen
behandelt. Ein Maler, der mich hier in meinem kleinen Komptoir besuchte, er
heißt Leidenfrost, sagte mir, als ich diese Bemerkung machte: Mein guter Freund,
Das geschieht, weil zwischen dem Genie und der Prärogative der Abstand so groß
ist, dass die Reichen und Vornehmen ihn meist nur durch Insolenz glauben
ausfüllen zu können. Das passt natürlich auf meinen Freund Egon nicht, wohl aber
auf viele Vornehme und vielleicht immer auf das Schicksal der Schriftsteller.
    Wenn ich aristokratisch erscheine, sagte Egon, so ist nur mein Freund Louis
Armand Schuld. Wer heißt dich denn in fremder Gegenwart mir die lächerlichen
Ehren meines Standes antun, mir Lüstre geben, sich zum Schemel meiner Würde
machen?
    Louis, der eben einen schwarzen Handschuh zuknöpfte, sah den jungen Fürsten
mit einem von unten emporblickenden Auge voll Rührung an. Er sagte nichts, aber
es lag in seinem fragenden Blick der ganze Schmerz ausgedrückt, dass dies seltene
Verhältnis, das der sonderbarste Zufall und die Laune eines eigentümlichen
Charakters so gefügt hatte, nun wohl nicht mehr lange in dieser Form bestehen
würde.
    Louis, sagte aber Egon gerührt, könntest du je an meiner Treue, an meiner
ewigen Freundschaft zweifeln?
    Louis schwieg und sah zur Erde.
    Du bist gerettet, sagte er nach einer Weile, Louison's Schatten möge dich
schützen! Ich bin nun dein Wächter nicht mehr,
