 über sich und warf ihren
Kousinen einen dreisten, fast schnippischen Gruß zu, der Fränzchens Reiz in den
Augen des von seinem Rencontre mit den Offizieren noch sehr bewegten Heinrich
Sandrart nur noch mehr hob.
    Franziska, stoss an! sagte die mittelste Wandstabler, die Lore, deren magere
Gesichtsformen sich durch die Glut des Tanzes und der Atmosphäre gefüllt, ja
ganz angenehm gerundet hatten.
    Fränzchen stieß mit dem Glase ihrer Kousine an und nippte ein wenig von
einem Getränke, das vielleicht ein helles Bier, vielleicht künstlicher
Champagner war, sie wusste es nicht ... bis der Sergeant aus dem Seitenfutter
seiner Uniform ein kleines Portemonnaie zog und sich, wie es schien, nicht ohne
eine gewisse Überlegung, entschloss, zwei Papiertaler an eine wirkliche Flasche
Champagner zu wagen. Er mochte fühlen, dass er sein Avancement etwas kostbar
feierte ... aber er bestellte echten Champagner!
    Die Wirkung dieses Momentes war groß. Alles um den runden Tisch blickte
staunend und voll Bewunderung auf diesen jungen militairischen Rotschild!
Echter Zwei-Taler-Champagner! Dies hob oder setzte tief herab, je nachdem der
Schwung der Phantasie sich für das Große berufen hielt oder sich keiner solchen
Flügel bewusst war. Man schwieg eine Weile und blickte feierlich um sich her, als
hätte man für diese Standeserhöhung Zeugen gewünscht.
    Die Wandstablers beschlossen jetzt, mit Fränzchen, die einen solchen
Liebhaber aufweisen konnte, sich auszusöhnen.
    Dorette, die Jüngste, mit der es Franz von »Geheimrats« sehr geschäftig
hatte, war blässer, als ihre Schwester, auch etwas verstimmter. Sie hatte Ideen,
die höher hinauf stiegen als die Sphäre, in der sie sich hier bewegte und die
eigentlich Jeannette so gewaltsam improvisirt hatte.
    Guten Abend, Fränzchen! sagte sie und reichte ihrer kleinen Kousine jetzt
erst die Hand. Muss es denn erst so kommen, dass uns ein solcher Abend wieder
einmal zusammenführt?
    Ein solcher Abend? fragte Heinrich Sandrart fast verletzt, der seine zwei
Taler los war, nun aber dafür auch lustig sein wollte. Kann man traulicher und
vergnügter beisammen sitzen?
    dabei wollte er Fränzchens Hand ergreifen und sie an sich drücken. Aber die
kleine, braunäugige Spröde litt schrecklich, auch über die Kosten, die sie ihm
verursachte, und zog die Hand zurück.
    Fräulein Dorette schmachtet nach stiller Einsamkeit, sagte die nicht ganz
ungebildete, aber zügellose Jeannette parodirend, sie liebt! Sie liebt einen
Franzosen, stolz und feurig; o seit ich weiß, dass man diesem Franzosen so edle
Vorsätze verdanken kann, selbst den Fortunaball nicht zu gering für Liebende zu
finden, biet' ich mich ihm für die Rückreise nach Paris als Gouvernante an; ich
arme conditionslose Person -
    Fränzchen war in der Tat von Eifersucht nicht frei. Sie
