 mir die
hundert Louisdors, um Bildhauer zu werden; ich war bescheiden und wurde erst
Drechsler, bis sich der gährende, brausende Künstlerdrang nicht mehr halten ließ
und ich plötzlich Bildhauer, Maler, Architekt, Mechaniker war. Die
Maschinenbaukunde verträgt sich vollkommen mit meiner Natur, die in der Kunst
nichts Träumerisches, sondern etwas Reelles sieht ... Wir haben zu vielen Dingen
zu gleicher Zeit Talent. Der Mensch hat viel mehr, als an jeder Hand nur fünf
Finger; er sieht sie nur nicht alle.
    Das ist wahr; antwortete Ackermann sehr befriedigt von dieser Bemerkung. Es
juckt uns oft in Fingern, die wir nicht haben und wenn ich schlechte Musik
hörte, kribbelte es mir in allen Nerven, bessere zu machen, obgleich ich nur
etwas Klavier spiele und auf einer italienischen Reise Guitarre klimperte.
Jedoch die mechanische Fertigkeit der fünf Finger, das ist etwas Anderes. Das
lässt sich doch nur an diesen allein üben und deshalb erstaun' ich, dass Sie Maler
und zugleich Techniker sind.
    Ich besuche Sie einmal auf Ihren Dörfern und wenn die Maschinen anschlagen
und es abwerfen, bau' ich Ihnen noch eine Villa nach meinem Geschmack ...
    Ich halte Sie beim Wort! sagte Ackermann erfreut. Allein Eins nimmt mich
doch Wunder. Wie machen Sie es bei solcher Vielseitigkeit mit Ihrem Horizonte?
Die Anschauung eines Kunstateliers ist doch auch für's Leben eine andere, als
die einer Maschinenfabrik.
    Glauben Sie Das nicht! sagte Leidenfrost. Unsere Maler sind nur meist so
toll, sich einen ganz kleinen Horizont abzuzirkeln, zu dem sie aufblicken. Den
nennen sie das Ideal. Woher käme denn anders die eunuchenhafte
Erfindungslosigkeit unserer Schulen, wenn die jungen Bursche, die Leinwand
vollklexen, nicht mit Gewalt in eine kleine Treibhauswelt eingepfercht würden,
wo sie immer vom Schönen, vom Schönen sprechen und es nur in ein paar Begriffen
finden?
    Die Bibel z.B. ist doch ein großer Begriff ... sagte Ackermann.
    O ja! die Begriffswelt dieser Maler ist sogar noch ein klein wenig größer:
denn zur Bibel kommt noch bei ihnen ein deutsches Legendenbuch, ein paar
Volksbücher, die Nibelungen, Petiskus' Mythologie - voilà tout! Ist Das nun
wirklich das Leben?
    Gut, erwiderte Ackermann, sagen Sie, dass dieser Horizont klein ist, aber er
ist rein, er ist edel, ungeschwärzt! Nicht die Weite der Anschauungen ist es,
die den Künstler beglückt, sondern ihre Durchsichtigkeit und Klarheit. Sind Sie
nun z.B. in dem Qualm einer Feueresse derselbe Mensch, der Sie mit der Palette
in der Hand sein sollten?
    Ich heize ja hier nicht die Öfen ... meinte Leidenfrost lachend.
    Sie zeichnen hier nur! Aber Sie haben matematische
