 etwas rätselhaft ist, bemerkte Siegbert, so
möcht' ich noch, um den fatalen Eindruck der eben erlebten Szene zu mildern,
hinzufügen, dass sie uns doch wohl nur als eine neue Bestätigung der Wahrheit
dienen kann, wie im Grunde jeder Mensch nach seinem eignen Standpunkte
beurteilt werden muss. Wir haben uns über diesen Hackert in so vielerlei,
teilweise sich sogar widersprechende Empfindungen hineinraisonnirt, dass wir
gleichsam mit Gewalt verlangen, sein Charakter müsse nun auch allen
Voraussetzungen, die wir von ihm haben, entsprechen. Wir dachten uns nach den
Prämissen des Vormittags am Abend eine rührende Szene. Ein unglücklicher
Nachtwandler, in Gefahr, für eine böse, rachsüchtige Handlung, die er längst zu
bereuen scheint, bestraft zu werden, wird uns seine Geschichte erzählen. Man ist
auf diesen Empfang vorbereitet.. Da stehen Tassen und siedendes Teewasser, ich
esse schon im voraus den für diese gemütliche Szene bestimmten Braten und nun
kommt der Haupteld, ein völlig anderer, alle unsere Ideen durch den tollsten
Rückfall in eine uns nicht homogene Natur durchkreuzend! An wem liegt da mehr
die Schuld? An unserer Kurzsichtigkeit oder an dem wunderlichen Charakter,
dessen rechten Schwerpunkt, dessen eigentlichen Schlüssel wir noch nicht
entdeckt haben?
    Dein milder Sinn ist auf dem bestem Wege, sich diesem Taugenichts
unterzuordnen, sagte Dankmar. Dieser Hallunk weiß, dass wir die Absicht hatten,
zu ihm zu kommen und benimmt sich wie ein Gentleman, der sich nicht einmal
entschuldigt, wenn Andere auf ihn warten -
    Der Tee und der Braten waren leider nur eine Idee des Mädchens -
    Gut! sagte Dankmar. Ich werfe den Unglücklichen zu jenen immer nur als
halbfertig erscheinenden Menschen, die im Unglück feige winseln und im Glücke
sich hochfahrend übernehmen. Es fehlt ihm die Herrschaft des Geistes über sich
selbst. Es ist der Mensch des tierischen Instinktes. Und ist Hackert nicht
eigentlich der Ausdruck des Volkes selbst? Jammervoll genug, dass man eingestehen
muss, wir malen uns den Charakter der Massen ganz anders, als sie sind! Nimm den
Bauer; wie tückisch, wie hämisch, wie kurzsichtig, wie verschlagen! Nimm die
halbe Bildung; wie eitel, wie prahlerisch, wie lügnerisch, wie falsch! Wir
pinseln uns etwas vor vom Volke. Es ist nicht so, wie es die Touristen und
Genremaler geben wollen. Die treueste Magd, die ganz Liebe und Hingebung für
ihre Herrschaft scheint, pruhstet wie eine Katze auf, wenn ihr »Weihnachten« zu
gering ausfällt. Egoismus regiert Alle und ich stelle mir eigentlich als
Politiker die Aufgabe, Hackerten für das schwankende, unreife, halbfertige, oft
großartige, dann wieder kleinliche, bald herausfordernde, bald feige, bald
rührende, bald abstossende, bald poetische, bald prosaische, nachtwandelnde,
ahnungsvolle
