 Wer Amaranta bewundert, kann nur erschrecken, dass Egon
Amarantens Sohn sein soll! Lassen Sie! Lassen Sie! Ja! Ja! Man sagte mir Das.
Was tut Das? Ich lebte der Gegenwart und Zukunft. Egon selbst sprach ungern vom
Vergangenen. Gerade zur Zeit, als seine Mutter starb, waren wir Beide die
glücklichsten Geschöpfe der Erde.
    Sie sind auch darin so gut, Helene, sagte Pauline aufatmend, dass Sie für
Ihre Freunde Partei nehmen und für Das, was Sie einmal warm und treu ergriffen
haben, Farbe halten. Schliessen Sie sich mir an! Ich bin zwar manchen Stürmen
preisgegeben gewesen. Aber noch wurzl' ich in festem Boden. Bleiben Sie eine
Viertelstunde in der kleinen Gesellschaft, die ich heute um mich habe.
Beobachten Sie flüchtig! Sie werden mit der Schärfe Ihrer Intuition bald
bemerken, was jetzt die Menschen hier beschäftigt und beschäftigen darf.
Versprechen Sie mir, besonnen zu sein? Besonnen um meinetwillen?
    Ich verspreche es, sagte Helene und reichte ihre weiße schwarzbeflorte Hand
der auf Melanie, die jetzige Rivalin Helenens gespannten Freundin, die schon auf
Wagen im gekieselten Fahrwege lauschte und mit Helenen an ein von der Abendsonne
beschienenes Fenster der vorderen schon erleuchteten Salons trat.
    Sie wissen doch, dass Adele Wäsämskoi dort drüben wohnt? fragte Pauline.
    Und noch ehe sie Helenens Antwort abgewartet hatte, brach sie schon in den
lebhaftesten Ausdruck ihres Erstaunens aus, die königlichen Livreen vor dem
Hause zu erblicken ...
    Sehen Sie! rief sie. Die Fürstin ist eine tugendhafte trauernde Gattin, eine
zärtliche Mutter! Da steht schon der Wagen der Oberhofmeisterin vor ihrer
Einfahrt!
    Meine Schwester scheint gefeiert zu sein; sagte Helene verächtlich. Der
zweite daneben haltende Wagen scheint ihr ebenfalls Besuch zugeführt zu haben.
    Was seh' ich! rief Pauline. Das ist ja der alte Rumpelwagen meiner
Schwester? Anna mit der Altenwyl zusammen? Ludmer! Ludmer! Wo ist die Ludmer?
Anna hat ein Rendezvous mit der Altenwyl!
    Die alte Charlotte Ludmer hatte sich schon längst in der Nähe gehalten und
bestätigte, was sie schon ausspionirt hatte, dass bei der Fürstin drüben, so
wurde übertrieben »ein Wagen nach dem andern« vorführe, und eben wären Anna von
Harder und die Gräfin Altenwyl dort zusammen ...
    Helene begriff nicht, was Pauline darin so Außerordentliches finden konnte
und hörte befremdet zu, als Pauline in die Worte ausbrach:
    So müssen sich denn die schönen Geister wirklich schon begegnen! O ich sehe
es, wie sie aufeinander lauschen, aneinander sich entzünden und entflammen! Dort
die Tugend, da die Tugend und überall die Tugend! Ha! Ha! Ha! Ludmer, was
wettest Du, Anna wird morgen in die kleinen Zirkel eingeführt!
